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Eustass Captain Kid
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BeitragThema: Der Blutregen von Imandir   Mi 17 Dez - 21:21

   
Ein Schwarm Nebelkrähen flog dem blutroten Firmament entgegen, während der Wind den zerkratzten Stahl ihrer Plattenrüstungen streichelte. Schatten wurden länger, und abendlicher Dunst stieg über die üppigen Landschaften nördlich der Hochebene auf.
Die Bäume verwandelten sich in dunkle Schemen, und Grillen begannen zu zirpen, während der Himmel erneut sein düsteres Abendgewand annahm.
Rund Zweihundert Mann bildeten die Vorhut, welche nun beritten, aus der Ferne, die neblige Silhouette der "eisernen Jungfrau" erspähte. Das Mundgestell ihrer Sturmhauben klapperte unter der Laune des Windes, der den Meisten ein letztes Mal
Lieder von Vergessenem, von Nichtssagendem zuflüstern sollte.
Da standen sie nun: Knapp Zweihundert Söldner, angeführt von Dersim Necoria, dem drittgeborenen Sohn Dagons, der seit jeher um die Anerkennung seines Vaters bemüht war. Heute würde er die Gelegenheit bekommen, sein Langschwert an der Front gen' Himmel zu strecken und vielleicht, ja vielleicht würde er zumindest an diesem Tag in die Annalen seines Hauses eingehen, als Eroberer der Grenzlande. Ob sie für die Götter oder Dagon kämpften wusste längst keiner mehr, jedoch waren sie sich bewusst, dass auch sie bald hinter den Schleier treten würden, der Leben und Tod seit Urzeiten trennte. Die Herzen von knapp zweihundert Mann pochten unter dem schlecht verarbeitetem Mettalgeflecht, erfüllten ihre Ohren mit Symphonien des Scheiterns, zerrten ihre Blicke ein letztes Mal an den Himmel, in der Hoffnung Kyros würde ihnen seinen Segen spenden. Zweihundert Mann, mit dem Rücken zur blutgetauchten Sonne:
Sie waren die Vorhut, gierige Söldner, welche nicht der Hauptstreitkraft der Necorias angehörten, so ersetzbar wie ein abgetragenes Paar Wildlederstiefel und so wertlos wie das Versprechen eines Giftmischers.
Rhaegar blickte auf die mächtige Festung empor, die ihre gewaltigen Schatten auf das weitreichende Umland warf. 
Er blinzelte benommen. Noch nie zuvor soll diese Festung eingenommen worden sein: Aus diesem Grund nannte man sie auch in ganz Akator, die "eiserne Jungfrau". 
Mehrere Ringwälle umschlossen den Stadtkern, während der Rücken des monströsen Bauwerks in einer Bergkette eingebettet war. So musste man durch das Haupttor, um überhaupt ins Landesinnere Imandirs, hinter dem Berg zu gelangen. Es gab nur diesen einen Weg, und jener bedeutete für Feinde meist den sicheren Tod. 
"Linienformation!" brüllte Dersim, als das Kriegshorn geblasen wurde und die Banner in die Höhe schoßen. "Heute-!" brüllte Dersim mit einer heiseren Stimme in den Nachthimmel Akators. Es war die Stimme eines aufstrebenden, blutjungen Mannes, der gehört werden wollte, krampfhaft um die Aufmerksamkeit der Tafel buhlte, um letztlich vor einem Haufen Söldner eine nichtssagende Rede halten zu können, die im Kern von Verzweiflung, Unwissenheit und Leere zeugte, Leere die schon bald die Irdiden zahlreicher Brüder füllen sollte. 
"Heute Abend werden wir -meine Brüder- in den Hallen der Jungfrau speisen, ihre Frauen beglücken und in ihren Gemächern nächtigen. Wir werden unsere Schwerter und Äxte mit ihrem Blut tränken, ihr Blut das in Fülle fließen wird, ihrer Blut, das Blut der Verräter, welche dem wahren König den Einlass nach Imandir, nein, ihm seine Krone verweigerten. 
Möge Mors über diese frevelhaften Schatten richten, möge sich aus ihrer Asche ein neues Reich erheben, ein Reich indem jeder von uns seinen Platz finden wird!"
Mit jedem weiteren Wort fing seine Rede das Ohr Hunderter ein, gewann seine Stimme, welche durch die behalmte Tundra hallte, als wäre es das endgültige Urteil eines Richters, der den Tod tausender mit bloßer Rhetorik besiegelte, an Stärke und Zuversicht. Rhaegar verstand nicht mehr: Ihnen wurden zwanghaft Wertvorstellungen wie Ehrgefühl und Stolz auferlegt, die jenseits ihrer belanglosen Existenz als käufliche Kampfkraft, seit jeher als sinnfreier Rahmen coexistierten, dem sich ohnehin kein Gesetzesloser fügen wollte. Jeder dieser Männer würde für etwas Silber, den Dolch in den Rücken des Nächstbesten rammmen. Was verstanden sie schon von Loyalität? Rhaegars Blick galt weiterhin der monströsen Festungsanlage der "Jungfrau". Seine Ohren lauschten den Krähen, welche ahnten, dass nun Blut den Boden dieser Länderei bewässern würde. 
"Heute, meine Brüder-" Dersim hielt kurz inne, während er von dem einen Ende der Formation zum Anderen ritt, dabei sein hellblau schimmerndes Schwert in den nebligen Nachthimmel hielt, als wolle er die Wolkendecke selbst zerstechen, um im Licht der Götter baden zu können. "Heute seid ihr keine Söldner, O nein bei Kyros' Wort, heute seid ihr die Vorboten der Apokalypse!" Reitet, reitet und lebt! Reitet unter dem dunklen Saum, Mors' Mantel und lebt meine Brüder, lebt heute und sterbt morgen, im Nachtgewand!
Dersim schrie aus voller Kehle, seine Augenlider geschlossen, das Gesicht haftete am Nachthimmel, er schrie und die Söldner johlten laut auf, hauten ihre Äxte gegen die Schilder und stimmten seinem frenetischen Ton ein. Dersim ritt der Festung entgegen, das Askarschwert in die Höhe stoßend. Die Männer folgten ihm auf einer Linie, die tosenden Laute waren noch immer nicht verstummt. Aus den Belagerungszelten hinter den Hügeln drang begleitender Trommelwirbel, welcher im Takt genau, dem starken Galopp der Fronteinheiten folgte. Zwei Einheiten mit je zwanzig Mann flankierten 
Lord Dersim, der Rest verstreute sich in seinem Windschatten. Kurze Schlachtrufe hallten aus den Kehlen etlicher Reiter, machten den stummen Nachzüglern Mut.
Rhaegar ritt dicht zur Rechten Dersims, sein keuchender Atem prallte gegen das Mundgestell der Sturmhaube und wärmte seine Nasenspitze.
Sie ritten in Richtung Haupttor, als ein langgezogenes Summen urplötzlich den Nachthimmel Akators erfüllte. 
"Schilde hoch!" Brüllte Dersim in seinen Rückraum, aber es war zu spät. Die ersten Reiter fielen rücklings vom Pferd. Erbarmungslos durchbohrten die Pfeile der redoranischen Wacheinheit die Brüste, Hälse und Schultern der angreifenden Frontformation. "Idioten!"knurrte Lord Dersim unter angewinkeltem Schildarm. Er gab seiner Leibgarde mit einem Handwink ein Zeichen, woraufhin Einer die Formation verließ und Kehrt machte. Rhaegar ritt in halsbrecherischem Tempo, sein Blick galt dem Wehrgang, auf welchem er hektisch umherrennende Gestalten erspähte. 
Das Haupttor öffnete sich einen Spalt, und eine Division gepanzerter Reiter drang hindurch. Dersim schluckte verunsichert. Seit jeher werden die Reiter Imandirs als die beste Kavallerie Akators angesehen. Schwer gepanzert, dennoch in ihrer Geschwindigkeit unübertroffen, werden sie von den Jalon-Karus seit Jahrzehnten zur Elite herangezogen. 
Rhaegar lächelte unbeeindruckt und erhöhte das Tempo: "Die Angst bindet die schwersten Kettenglieder." Er dachte zurück an seine Kindheit auf den Straßen Utahaks:
"Wer Angst fühlte, hätte sein Recht zu Leben bereits verspielt," hatte er sich immer und immer wieder behutsam eingeredet, wenn er nachts nach einem Schlafplatz suchte, Bürger bestehlen, und schließlich im Affekt den ersten Todschlag verübte musste.
Rhaegar ritt dicht hinter Dersim Necoria, geradewegs auf die Reiterdivison zu. 
"Mylord, achtet auf den Schwertarm des Truppenführers, er wird weit reichen!"
Er wusste nicht, ob Dersim in gehört hatte, jedoch spaltete dieser sich von seiner Leibgarde ab um über den Flügel erneut anzugreifen. Auch Rhaegar nahm sich vor, die direkte Konfrontation zu vermeiden und stieß auf den entgegengesetzten Flügel.
Die Fronteinheiten selbst, teilten sich. Während eine Hälfte in Richtung Haupttor ritt, nahmen sich die restlichen Truppen die Reiterdivison vor. Sie waren knapp in der Überzahl, jedoch in der Kampfkraft hoffnungslos unterlegen. Dersim wusste nicht so Recht, ob er sich freuen, oder verzweifelt versuchen sollte, als Feigling gebranntmarkt, zu seinem Vater zurückzukehren. Die Tatsache, dass der Feind Einheiten aussendete, bedeutete, dass sie bereits vor den Toren mit ersten, ernsthaften Verlusten zu rechnen hatten. Andererseits würde der Feind, solange die eigenen Streitkräfte hier unten kämpften, die Artillerie unterbinden. So hätte man genug Zeit, die Rammböcke zu positionieren und die Leiterträger auszusenden. 
Dersim ritt auf die Division zu, zog seinen Einhänder und holte zum Hieb aus. Die redoranische Reitereinheit fiel aus der Formation, als einer ihrer Reiter sein Tempo drosselte, um in den Zweikampf zu gehen. "Bleibt zusammen" schrie der Truppenführer seinen Reitern nach, als diese sich nach dem Zurückgebliebenen umsahen. 
Daraufhin ritten sie auf die verbliebene Söldnereinheit zu, welche ihnen zugeteilt war.
Klingen kreuzten sich, und die Reiter versuchten trotz der direkten Konfrontation, den Galopp beizubehalten, die Söldner einzukesseln. Rhaegar, der soeben über den rechten Flügel kam, erblickte Dersim, welcher von zwei Reitern gleichzeitig attackiert wurde.
Augenblicklich schoss er auf sie zu, winkelte sein Schwert, mit der Spitze auf Kopfhöhe des Feindes, an und stach zu. Seine Klinge hatte den Feind unter dem Helmansatz durchbohrte. Der Reiter fiel von seinem Pferd und lag mit schmerzerfülltem Gesicht auf dem Rücken und Blut quol ihm unmittelbar aus dem Mund. In mehreren Salven spuckte er blutigen Speichel aus. 
Dersim parierte geschickt die Hiebe seines Kontrahenten. Er rieb seine Klinge an der, des Gegners, zog sie zur Spitze und stach in die nun frei gewordene Brustgegend seines Gegenübers. Er winkte Rhaegar zu und gab das Zeichen, ihm zu folgen.
Gerade traf die erste Reservetruppe der Front ein. Dersims Gesichtszüge formten sich zu einem süffisanten Grinsen. "Mors beobachtet uns lediglich." flüsterte er dankbar



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BeitragThema: Re: Der Blutregen von Imandir   Mo 22 Dez - 14:29

   
Hey Kid,

Habe jetzt mal diesen Teil deiner neuen Geschichte gelesen und muss sagen, echt sehr cool beschrieben...bin jetzt theoretisch in einer schulung, aber konnte es mir fast leibhaftig vorstellen wie dieser Anfang der Schlacht von statten gegangen ist..

Ein paar kleine sachen habe ich dennoch, aber die sind jetzt halt alle auf meinen Stlye des lesens geschnitten...manchmal gehst ein wenig zu fest in die Details gegangen, ist zwar sehr cool aber ein wenig schwirig zum lesen..

Dazu muss ich ja sagen, der typ ist nicht der schlauste, hätte lieber ein wenig gewartet bis die erste haupttruppe gekommen ist^^finde ich nicht besonders klug, ok vielleicht ist das die taktik gewesen aber ja...

würde mich über eine fortsetzung freuen *_*

Lg Igel

......................................................................



@Shamisaly schrieb:
ein Igel ohne Smileys ist wie ein Igel ohne stacheln

Wenn Igel niesen:
Spoiler:
 


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BeitragThema: Re: Der Blutregen von Imandir   Sa 11 Apr - 22:06

   
Also dann, ich fang mal bei deinem schreibstil an.
Also merkt absolut deutlich, dass du schon sehr viel erfahrung mit dir bringst, und ich denke, dass fantasy wohl dein am meisten verwendetes genre ist, denn dein stil ist sxho nsehr angepasst. Diese welt verwendest du wohl öfters.

Die gegend hat mir sehr gut gefallen, ich denke, in sachen beschreibung und detailliebe macht dir niemand was vor, sehr schöne vergleiche. Die umgwbung erinnert mich sehr an skandinavien und die menschen wirkten wie nordmänner^^

Allerdings hab ich trotzdem einen kritikpunkt. Du sagst, es sei eine kurzgeschichte, aber es wäre ein viel besserer prolog für einen fantasy-roman, finde ich.
Die handlung ist nämlich ganz offensichtlich noch nicht am ende angelangt, sie schreit nach fortsetzung. Von einer kurzgeschichte erwarte ich mir einen abschluss, mit allenfalls rethorischen fragen.

Dein charakter dersim hat ja ganz offenbar. Einen vaterkomplex, ohne diesen es wohl nie zu dieser epischen schlacht gekommen wäre, ich hätte mir zum ende hin etwas mehr gedankendazu gewünscht, aber da es nach fortsetzung aussieht, ist das ja auch dann möglich^^ doch e skönnte danauch sehr viel für eine kurzgeschichte werden.

Einen klein wenig bangel bekomme ich da schon vor unseren ff battle, falls es stattfinden sollte^^

D.erFuchs
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BeitragThema: Re: Der Blutregen von Imandir   So 12 Apr - 17:28

   
Ahoi Kid,
hab es mir auch mal durchgelesen.Eigentlich mäkel ich ja gerne bei anderen rum,aber bei dieser Kurzgeschichte gibt es wenn überhaupt nicht viel auszusetzen Smile
Was mir nicht ganz rund vorkam war das Ende.Irgendwie passt da "Mors beobachtet uns lediglich"
nicht wirklich.

Sonst sind deine Formulierungen ziemlich treffend.Die Absätze sind schön Leser freundlich,was durchaus nicht selbstverständlich ist.Nun wie die anderen beiden Leser vor mir schon feststellten sind die Beschreibungen und Details das im positiven Sinne markanteste deiner Geschichte.
Ich würde sonst noch etwas mehr Lob verteilen,aber bin nicht wirklich ein Fan des Genres,deshalb ist mir denk ich das kurze Feedback verziehen Smile

Beste Grüße D.erFuchs

Saggi Dark Clown
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BeitragThema: Re: Der Blutregen von Imandir   So 12 Apr - 20:27

   
Ich habe mich auch mal hingesetzt und deine Geschichte gelesen und sage folgendes dazu:

Diese Geschichte zeigt mal wieder sehr deutlich wie gut dir die deutsche Sprache liegt. Du spielst schon praktisch mit Worten und bringst sie wie ein Künstler auf dein Papier. Doch wie Igel schon geschrieben hat, du gehst oft in das Detail oder verwendest Beschreibungen während dein Protagonist reden möchte. Manchmal war es schwer dem zu folgen doch sobald man wieder folgen konnte war ich in dieser Schlacht. Lange Rede kurzer Sinn.

Fazit: Sehr gute Kurzgeschichte mit offenen Ende was nach Fortsetzung schreit und eine braucht.

MfG: Saggi Dark Clown



 

Schnellantwort auf: Der Blutregen von Imandir

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