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traffylaw
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BeitragThema: Japan 2018 -wenn einer eine Reise tut...   Sa 28 Jul - 23:10

   

Japan 2018 -wenn einer eine Reise tut...
...dann oftmals nicht alleine

[...]Ich wullt nur weg, woanders hin
Ich wor jung, hat winnich Jeld
Ich wullt wohin, wo et mir jefällt
[...].

Mit diesen Zeilen aus einem Kölner Lied möchte ich diesen Reisebericht starten. Warum? Weil er passt. Ein Junge. Ein Traum. Kein Geld. (Doch zum Glück gibt's ja dann noch Mama, Papa und Ferienarbeit) Wink
Kurz zur Vorgeschichte: Seit nun mehr 3 Jahren verfolgte ich neben dem Abitur ein großes Ziel: eine Reise nach Japan...
Und so begab es sich zu einer Zeit, dass ich einem Freund auf die Frage "Was hast´n nach dem Abi vor?" antwortete:
"Nach Japan reisen. Willste mit?"
Antwort: "Jo, lass mal machen" (Flashback Ende)

Am 15.7.2018 war es dann so weit. Nach langer Planung begann die Reise, welche mein Leben um mehr bereichern sollte, als ich es anfangs für möglich hielt. 12 Tage später bin ich nun wieder zurück und werde hier in diesem Thread die Erlebnisse von mir und meinem sehr guten Freund welcher mich begleitete, dokumentarisch festhalten. Eben jenem Freund möchte ich hier an dieser Stelle auch noch einmal ganz herzlich danken, dass er mich so oft unterstützt und die Reise letzten Endes auch ermöglicht hat. Selbiges gilt auch für meine Eltern. Großes Danke an euch!

In (hoffentlich) regelmäßigen Abständen werden nun ausführliche Berichte zu den einzelnen Tagen, versehen mit Fotos und Videos, folgen. Ich bitte alle interessierten Leser an dieser Stelle erst in diesem Thread zu antworten, wenn der letzte Tag meines Reiseberichts online ist, damit der "Lesefluss" nicht ständig unterbrochen wird Smile
Bei dringenden Fragen oder Anregungen etc. (bezüglich diesen Themas) könnt ihr mich aber gerne per PN anschreiben!
So, jetzt aber genug der Vorrede. Viel Spaß beim Lesen!


Tag 0 -Aufbruch gen Osten

Noch etwas verschlafen schaltete ich meinen Handy Wecker aus. Es war früh am Morgen und wer mich kennt, der weiß, das ist nichts für mich. Dennoch versuchte ich nicht gleich die ganze Welt zu hassen, denn schließlich war heute der Tag dem ich so lange schon entgegen fieberte. (Tatsächlich habe ich 243 Tage vor Reisestart angefangen, jeden einzelnen Tag runter zu zählen!). Also ging ich noch mal meine Liste durch und machte mich fertig für die Abreise. Die ca. 2 stündige Fahrt mit dem Auto nach Frankfurt zum Flughafen verging dank tiefgreifender Gespräche à la "Ich bin zu alt für so n Scheiß. Gib mir noch n Kaffe" wie im Flug. Die ganzen Sicherheitskontrollen und Passport-checks lasse ich einfach mal aus. Jeder der schon einmal geflogen ist, weiß ob der Abläufe, welche aufgrund der fehlenden Spannung und Langweiligkeit hier keinerlei Beachtung finden sollen. Wenige Stunden aber um so mehr Kaffes später saßen dann alle an Bord der Etihad Airways Maschine, welche uns zu erst nach Abu Dhabi bringen sollte. Von dort aus ging es dann weiter Richtung Tokyo/Narita Airport...


...warten auf das Flugzeug *seufz*


...in der Nähe des toten Meeres


...gegen Abend (Ortszeit) erreichten wir bei einem wunderschönen Sonnenuntergang über den Wolken Abu Dhabi

To be continued...

traffylaw
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BeitragThema: Re: Japan 2018 -wenn einer eine Reise tut...   So 29 Jul - 11:58

   

Tag 1 -Ankunft in Tokyo

In Abu Dhabi blieben uns nun also noch 2 Stunden, um uns nochmal frisch zu machen, mit Kaffe einzudecken und das WLAN auszunutzen. Als diese dann schließlich vorbei waren, ging es endlich weiter. Noch einmal 9 1/2 Stunden Flugzeit später erreichten wir Tokyo Narita Airport.

der erste Blick auf das Land der aufgehenden Sonne ^o^


leider sind zu viele Wolken da, sonst könnte man von hier den Fuji sehen...

Am späten Nachmittag erreichten wir dann Tokyo. Hier erlebte ich das erste mal eine kleine Schrecksekunde, als die Automaten meinen Reisepass nicht erkannt haben. Glücklicherweise war das Personal sehr hilfsbereit und so wurde auch diese Hürde überwunden. Auch hier mussten wir wieder ein par Sicherheitskontrollen passieren. Danach holten wir unseren JR Pass (JR = Japan Rail) ab. Dieser ist nur für nicht-Japaner verfügbar und muss im eigenen Land beantragt werden. Wir buchten diesen für 7 Tage, was uns ca. 216 € pro Person kostete. Lohnen tut sich das ganze dennoch, denn dafür konnten wir beliebig oft (innerhalb des angegebenen Zeitraumes) mit dem Shinkansen durch Japan reisen. Wir entschieden uns dafür, die letzten 7 Tage den Pass zu beanspruchen, da wir in der ersten Woche sowieso nur in Tokyo und Umgebung sein würden. Als auch das erledigt war, machten wir uns mit der Bahn auf den Weg Richtung Tokyo Innenstadt. Dort angekommen, begannen wir mit der Suche nach unserem Kapselhotel, in welchem wir für ein par Nächte schlafen wollten. Dieses haben wir überraschend schnell gefunden (was daran lag, dass es nicht all zu weit von der Bahnstation entfernt lag, an welcher wir ankamen). Das Personal war freundlich und sprach auch einigermaßen gutes Englisch, so dass es keine Probleme beim einchecken gab. Noch etwas müde ob der langen Reise und dem Jet Lag (welchen vor allem meinem Freund etwas zu schaffen gemacht hatte) entschieden wir uns, an diesem Abend nicht mehr viel zu machen. Wir gingen lediglich noch zum Tokyo Metropolitan Government Building, also dem Rathaus. Dort kann man nämlich kostenlos bis hoch in den 45. Stock fahren und eine Aussicht über Tokyo genießen, die seines Gleichen sucht. Vor allem bei Nacht entsteht hier eine unglaubliche Atmosphäre und viele Bilder.










Bietet auch von außen einen beindruckenden Anblick: Das Rathaus in Tokyo

Mit diesen tollen Bildern verließen wir schließlich das Rathaus und machten uns auf den Weg zurück zum Hotel. Trotz noch immer Temperaturen um die 34 Grad konnten wir schnell einschlafen (ein Hoch auf die Klimaanlage!)

To be continued...

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BeitragThema: Re: Japan 2018 -wenn einer eine Reise tut...   Mo 30 Jul - 21:34

   
Tag 2 -Erkundungstour durch Tokyo (oder: Manchmal kommt es halt doch auf die Größe an)

Zugegeben, die erste Nacht im Kapselhotel würde nicht als eine der besten in die Geschichte eingehen. Dafür gab es in den vergangenen 24 Stunden zu viele Eindrücke, welche erst einmal verarbeitet werden wollten. Und das, obwohl wir noch ganz am Anfang unserer Reise waren. Langsam bekam ich einen Eindruck davon, auf was ich mich da eingelassen hatte und fragte mich, was mich wohl in den nächsten Tagen noch so erwarten würde und ob ich in den nächsten knapp 2 Wochen wohl jemals gut schlafen würde. Very Happy
Zumindest der frisch angebrochene Tag versprach da so einiges, denn etwas großes stand uns bevor. Im wahrsten Sinne des Wortes: Der 大仏 (Dai Butsu = großer Buddha), welchen man in der Stadt  Kamakura, nahe Tokyo, besichtigen konnte. Mit der Yokosuka Linie erreichten wir in kurzer Zeit den Bahnhof Kita Kamakura (北鎌倉駅). Einen kleinen, aber dennoch recht anstrengenden Fußmarsch später (denn unsere Körper hatten sich noch nicht an die große Hitze im Zusammenspiel mit der hohen Luftfeuchtigkeit gewöhnt), erreichten wir das Tempelgelände.


Der Haupteingang. Noch ahnt man nicht, welcher Anblick sich einem gleich bietet...


Den Buddha kann man übrigens auch von innen besichtigen. Ob es sich lohnt, sei mal dahin gestellt...

Nachdem wir für einige Minuten innegehalten hatten, entschieden wir uns den Rest des Geländes mal genauer unter die Lupe zu nehmen. So entdeckten wir nur einige Meter hinter der Statue einen kleinen Garten und ein Häuschen, welches im koreanischem Stil errichtet war. Dieses war ein Geschenk der Koreaner an die Japaner und wurde eigens aus Korea in das Land der aufgehenden Sonne verfrachtet. Warum? ...Ich bin mir sicher, sie hatten ihre Gründe. Ganz bestimmt.

Hübsch ist es ja. Das muss man den Koreanern lassen ^^

Irgendwann hatten wir aber auch an diesem Architektonischem Souvenir alles bewundert und so gingen wir zurück und schauten uns in einem der unzähligen Souvenirläden um. Über haufenweise Kitsch bis hin zu wirklich hübschen Geschenken oder Andenken konnte man hier alles erwerben. Zu einem mehr oder weniger vernünftigen Preis. Gekauft haben wir uns allerdings nichts. Bis auf ein Eis. Das musste einfach sein bei der Hitze. An dieser Stelle auch gleich mal eine Empfehlung: Wer jemals nach Japan gehen sollte, muss unbedingt einmal "Matcha Eis" probiert haben. Dieses zumindest vom Namen her erst einmal eher ungewöhnliche Eis ist ein echter Genuss. Matcha ist nämlich nichts weiter als eine Art grüner Tee. Und in Japan gibt es nichts, was man nicht mit Matcha Geschmacksrichtung haben kann. Cookies, Muffins, Brötchen, diverse andere Süßigkeiten wie KitKat und eben auch Softeis. Einfach herrlich. Vor allem bei diesen Temperaturen. (Wer jetzt mit dem Argument kommt, dass es in Deutschland auch warm gewesen sei (oder immer noch ist), dem sei gesagt: Ihr wisst nicht was warm ist, ehe ihr im Sommer in Japan wart. Jeden Tag um die 38 bis teilweise 40 Grad bei einer Luftfeuchtigkeit von immer mindestens 85 Prozent, oft eher höher). Wie dem auch sei. Ein letztes Mal hielten wir vor der Statue inne und beobachteten die vielen Touris beim Foto machen. Übrigens: Wisst ihr, was japanischen Sehenswürdigkeiten mit denen aus Europa gemeinsam haben? Richtig. Irgendwo stehen immer irgendwelche Japaner und machen Fotos. Wink Very Happy
Spaß bei Seite. Wir saßen ca. 5 Minuten auf einer Bank, als sich plötzlich ein älterer Japaner zu uns gesellte. Kurz beobachtete er uns stillschweigend mit interessiertem Blick, bevor er plötzlich wie aus heiterem Himmel ein "Hello. Where are you from?" aus seinem Mund verlauten lies. Nun möchte man meinen, dass es eigentlich nicht all zu schwer sein sollte, auf diese, doch recht simple Frage eine Antwort zu finden. Mein Gehirn war allerdings zu sehr damit beschäftigt, das soeben gehörte mit dem, was meine Augen erfassten abzugleichen. Da war doch tatsächlich ein alter Japaner der Englisch konnte. Wie sagte doch Kirsten Fuchs einst so schön? "Das Leben ist ein Schalk". Nach einem kurzem "ääääh" wurde ich aber wieder Herr meiner Sinne und beantwortete seine Frage wahrheitsgemäß. Nun war er es, der nicht glauben konnte, was er soeben gehört hatte. Da saß doch tatsächlich ein Ausländer, der ihm auf japanisch geantwortet hatte. Schnell ließ ich meinen soeben dem Mund entflohenen Worten weitere folgen und erklärte ihm (diesmal aber auf Englisch) was wir hier machen. Schnell entstand ein nettes Gespräch zwischen uns drei. Wir unterhielten uns über dies und das. Er erklärte uns, dass er zur Zeit einen Englisch Kurs belegt und deshalb zu vielen japanischen Sehenswürdigkeiten reist, um mit Ausländern zu kommunizieren und so sein Englisch zu verbessern. Wir staunten nicht schlecht, denn sein Englisch war doch recht gut (auch, wenn es zunächst etwas ungewohnt war wegen des jap. Akzents). Nach ca. 10 Minuten trennten sich unsere Wege, denn wir wollten an diesem Tag noch mehr erkunden. Also verabschiedeten wir uns von dem netten Opa (leider habe ich seinen Namen vergessen), wünschten ihm noch viel Erfolg beim Englisch lernen und verließen Kamakura wieder in Richtung Tokyo. Davor schauten wir noch kurz bei einer anderen Tempelanlage vorbei, welche größer war als anfangs vermutet. Der Weg dorthin war vor allem eines: steil. Viele Treppenstufen später kamen wir aber auch dort an. Sehr verschwitzt und schwer atmend und -was meine Wenigkeit anging- auch sehr dreckig. Denn zu meinem Erschrecken schien sich mein Rucksack auch nicht so wirklich wohl zu fühlen. Das verriet mir vor allem die Tatsache, dass er sich in seine Bestandteile auflöste. Ganz langsam. Stück für Stück. So kam es, dass meine Haut, Haare (zumindest die wenigen, welche auf meinem Kopf noch übrig geblieben sind) und Kleidung von schwarzen Krümeln verklebt waren, welche einst die stolze schwarze Farbe eines prachtvollen Rucksacks darstellte. Das war gar nicht mal so cool. Dazu durfte ich mir noch ständig kleine Stichelleien meines Freundes anhören. Mittlerweile hatte ich von ihm auch den Spitznamen "Dalmatiner" bekommen. Na klasse. Jetzt würde ich also auch noch einen neuen Rucksack kaufen müssen...
...doch dazu später mehr. Erst mal hieß es Tempel angucken. Dieser war übrigens von einem herrlichen Bambuswald umgeben. Arbeitete man sich dann bis zu der Aussichtsplattform durch, konnte man einen Blick auf den Pazifik erhaschen. 








Als wir auch damit durch waren, ging es dann endgültig zurück nach Tokyo. Mittlerweile waren noch mehr Teile meines Rucksacks abtrünnig geworden. Damit stand dann auch das nächste Ziel unserer Reise fest: Shibuya. Wenn man irgendwo etwas finden wollte, was man gerade braucht (wie in meinem Fall zB. einen Rucksack) dann auf jedem Fall in dem wohl bekanntesten Stadtteil Tokyos (zusammen mit Akihabara). Tatsächlich mussten wir auch gar nicht lange suchen. Wir überquerten die riesige Shibuya Kreuzung, gingen einige Meter in einer der vielen Einkaufsstraßen entlang und siehe da: ein Adidas Shop. Das war jetzt genau das Richtige für mich. Im ersten Stock wurde ich dann auch fündig. Weitere 5 Minuten später und 6000 Yen weniger (ursprünglich waren es 9200 Yen. Aber glücklicherweise gab es gerade eine Rabatt Aktion für Rucksäcke. Glück braucht der Mensch) war ich auch schon stolzer Besitzer eines neuen und gesunden Rucksacks. Den alten entsorgte ich kurzerhand irgendwo am nächsten Müllkübel.




Es ist doch immer wieder faszinierend, wie pro Ampelphase mehr als 20000 Menschen gleichzeitig eine Kreuzung überqueren ohne zu drängeln oder anzustoßen. Ob das in Europa auch funktionieren würde? Ich bezweifle das jetzt einfach mal...


Dann brach auch schon die Dunkelheit über Tokyo herein (das geht hier recht schnell und vor allem früher als in Deutschland). An einer Ecke hatten sich selbst für Tokyo ungewöhnlich viele Menschen vor einem Schaufenster gesammelt. Neugierig gingen wir auch mal in diese Richtung um herauszufinden, warum dem so war. Das fanden wir auch schnell heraus, denn hinter dem Schaufenster wurden zwei Mädchen interviewt, welche wohl ziemlich berühmt waren. Wir kannten sie jedenfalls nicht und das hat sich bis heute nicht geändert. Gespannt lauschten die Menschen dem Interview (denn obwohl es hinter einer Glaswand stattfand, konnte man jedes einzelne Wort verstehen. Zumindest akustisch. Was diese Wörter dann zu bedeuten hatten, verstanden wir nicht. So gut ist unser Japanisch dann auch nicht...
...also setzten wir unseren Weg fort und kamen dann doch recht erschöpft bei unserem Kapselhotel an.  Nach einer sehr wohltuenden Dusche ließen wir den Abend langsam ausklingen und besprachen unsere Pläne für den nächsten Tag. Dabei trafen wir noch auf einen Schotten, welcher bereits zum 6. Mal hier in Japan ist. Auch mit ihm unterhielten wir uns eine Weile und tauschten Erfahrungen und die ein oder andere Geschichte aus. Und so neigte sich auch dieser Tag dem Ende und ich sollte tatsächlich meine erste Nacht in Japan erleben, in welcher ich besser schlafen konnte als erwartet...

To be continued...

traffylaw
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BeitragThema: Re: Japan 2018 -wenn einer eine Reise tut...   Di 31 Jul - 18:32

   
Tag 3 -das Problem mit den Zügen

So. Das tat doch jetzt mal richtig gut. Einfach mal 8 oder 9 Stunden durchschlafen. Herrlich. Ich fühlte mich nicht nur gut und ausgeschlafen, sondern auch voller Energie. Das Gefühl, dass nichts, aber auch GAR NICHTS schief gehen konnte machte sich in mir breit. Dass einen Gefühle auch täuschen können, vergaß ich vor lauter Vorfreude...
...Gut gelaunt machten wir uns also auf den Weg zu unserem mittlerweile Stammsupermarkt "Lawson". Dort deckten wir uns wie immer mit viel Flüssigkeit ein und ergatterten noch das ein oder andere Brötchen zum Frühstück (dieses war beim Kapselhotel natürlich nicht enthalten). Auf dem Weg zur Bahnstation gingen wir noch einmal den Plan für die heutige Route durch. Wir wussten genau, an welcher Bahnstation wir wann zu sein hatten und in welche Linie wir umsteigen müssen. Zumindest in der Theorie. So saßen wir also im Zug und schauten mit begeistertem Blick zum Fenster hinaus. Allmählich verließen wir Tokyo und die vielen Wolkenkratzer machten mehr und mehr für kleinere Hütten und Reisfelder platz. Allmählich wichen auch diese, um Wäldern und Flüssen den Vortritt zu lassen. Eine herrliche Gegend ist das hier, dachte ich so bei mir und fragte mich heimlich,  ob dieser Wald in 10 Jahren noch immer stehen würde, oder ob er dem stetigem Wachstum der Metropole Tokyo und der dort herrschenden Wohnungsknappheit zum Opfer fallen würde.  



Schnell verbannte ich diese Gedanken wieder. Ich wollte nicht darüber nachdenken. Nicht heute. Inzwischen lag aber auch das Waldgebiet hinter uns und draußen wurden immer mehr Berge sichtbar. Sehr schön, nun würde es sicher nicht mehr lange dauern, bis wir bei der Stadt Nikko, unserem heutigem Ziel, ankommen würden. Wer sich nun nicht gerade mit der Japanischen Kultur auskennt, dem wird diese Stadt auf Anhieb nichts sagen. Auch, wenn ich euch nun erzähle, dass dort Tokugawa Ieyasu begraben liegt, der Gründer der Tokugawa Periode, wird bei den wenigsten der Groschen fallen. Ich bin mir jedoch ziemlich sicher, dass jeder von euch bei WhatsApp oder anderen sozialen Netzwerken unterwegs ist und dort seine Nachrichten wenigsten ab und an mal mit Emoticons verziert. Die wenigsten wissen jedoch, dass 3 der beliebtesten Emoticons eben jener Tempelanlage in Nikko gewidmet sind. Doch seht selbst, vielleicht kommt es euch ja bekannt vor Wink


Quelle: Wikipedia

Na? Genau. Die 3 Affen, welche "nichts böses hören", "nichts böses sehen" und "nichts böses sagen" wollen, kann man dort finden. Dem ganz aufmerksamen Leser wird nun aufgefallen sein, dass ich unter dem Bild als Quelle Wikipedia angegeben habe, was bedeutet, dass dieses Bild aus dem Internet ist. Und genau da liegt das Problem. Denn wie so viele Sehenswürdigkeiten, hat auch diese eine Zeit, in welche sie für Besucher geschlossen ist. Das ist meistens gegen Abend, so auch hier in Nikko. Jetzt werdet ihr euch vielleicht fragen, warum wir erst am Abend dort angekommen sind, wo wir doch früh am morgen losfuhren und die Züge in Japan immer pünktlich abfahren...
...stimmt alles. Doch machen wir gedanklich noch mal einen kleinen Sprung zurück. Wir sitzen also im Zug, ich träume vor mich hin, mein Kumpel sitzt neben mir und ist in einer Art Zustand des "Ich brauch dringend nen Kaffe, sonst sterbe ich" gefangen. Der Zug hält an einer Station. Wir steigen aus, denn hier müssen wir laut Fahrplan umsteigen. Das war soweit auch richtig. Doch möchte ich noch einmal kurz erwähnen, dass wir Tokyo verlassen haben und uns auf einem kleinen Bahnhof in der Provinz befinden. Wer denkt, dass es hier irgendwelche Infotafeln auf Englisch gibt, der irrt. Und so kam es, dass wir auf gut Glück einfach zum nächstbesten Bahnsteig liefen, uns auf die Bank setzten und warteten. Ca. 15 Minuten später kam -wie erwartet- auch der Zug.
...Nur leider nicht auf dem Gleis, bei welchem wir uns befanden. "Der dürfte da aber nicht fahren", sagte ich noch und bemerkte, dass der Fahrplan an der Wand wohl etwas veraltet war. Alles halb so wild, in ca. 30 Minuten müsste auch von hier einer fahren. Das stimmte glücklicherweise. Jedoch hatten wir die Rechnung nicht mit der Bahnhofsvorsteherin gemacht, welche aus ihrem Häuschen sprintete und uns versuchte klar zu machen, dass dieser Zug nicht nach Nikko fahren würde. Woher sie wohl wusste, dass wir nach Nikko wollten...vermutlich weil sich hier sonst nie irgendwelche Touris verirren. Und Nikko die einzige Sehenswürdigkeit in der Nähe ist, welche Touris anlocken könnte...

Also fragten wir in einem Mischmasch aus Englisch und Japanisch wann denn der nächste Zug nach Nikko hier halten würde. Die Antwort: in 90 Minuten. Klasse. Jetzt mussten wir 90 Minuten in sengender Hitze ausharren. Darauf hatten wir mal so gar keine Lust. So entschieden wir uns kurzer Hand das Bahnhofsgelände zu verlassen und die kleine Stadt hier (Name unbekannt) zu erkunden. Naja, eigentlich waren wir nur auf der Suche nach einem Laden. Als wir fündig wurden, beschlossen wir diesen nach einem Eis zu durchstöbern. Auch hier wurden wir fündig. Wir schauten uns noch ein Weilchen um und gingen ca. 60 Minuten später wieder zurück zum Bahnhof. Als dann die letzte halbe Stunde vorbei war, kam endlich der Zug. Wer meint, dass sei nun das Ende dieser Geschichte, der irrt auch hier. Denn auf diesem Zug stand als nächster Halt etwas vollkommen anderes (wir konnten es lesen, da die nächste Station des Zuges mit lateinischen Buchstaben geschrieben war). Verzweifelt suchten wir die nette Frau von vorhin, nur um festzustellen, dass sie nicht mehr da war. Also stiegen wir nicht ein, sondern warteten. Inzwischen hatte sich die überschaubare Bahnstation mit vielen Leuten gefüllt. Die meisten davon junge Mädchen, in Schuluniform. Zumindest jetzt hatte das Warten etwas Gutes hehehehe...
Eine gefühlte Ewigkeit verstrich, bis dann ein Kollege der Bahnhofsvorsteherin kam. Diesen frugen wir, wann und ob denn hier jemals wieder ein Zug in unsere gewünschte Richtung fahren würde. Glaubhaft versicherte er uns, dass es der nächste Zug sein würde. Hier an diesem Gleis. Alle Zweifel ausgeschlossen. Nun, das sollte tatsächlich stimmen. Bis dahin galt es dann aber nochmal 90 Minuten zu überbrücken...

Nun machen wir einen kleinen Timeskip und überspringen diese Wartezeit in welcher nichts passierte. Und das ist schon aufgerundet! Endlich saßen wir im Zug und konnten den Komfort einer Klimaanlage genießen, da bahnte sich auch schon das nächste Problem an. Wir würden Nikko in 45 Minuten erreichen, dann würde es aber schon früher Abend sein. Uns würde also
a) nicht viel Zeit bleiben um Nikko´s Tempel und einmalige Natur zu besichtigen
b) vermutlich eine geschlossene Tempelanlage und
c) Regen erwarten, denn auch der Himmel schien sich zu verfinstern.
Seufz, und ausgerechnet heute hatte ich Schirm und Regenjacke im Hotel liegen lassen.
(Glücklicherweise blieb uns zumindest letzteres erspart. Es regnete zwar kurz, allerdings saßen wir zu dem Zeitpunkt bereits wieder im Zug nach Tokyo.)
Als wir dann endlich unser Ziel erreichten, hetzten wir auch sofort los, denn vom Bahnhof bis zum Tempelgelände war es eine knappe halbe Stunde Fußmarsch. Diese Strecke absolvierten wir in nur 20 Minuten (ein Hoch auf Kaffe und Cola) und kamen deshalb (stark) verschwitzt und "leicht" außer Atem bei der Brücke an, welche den Beginn der Tempelanlage symbolisiert.


Schnell machten wir einige Fotos und liefen weiter. Natürlich ging es mal wieder Berg auf. Das würde zumindest ein tolles Training für unsere bevorstehende Klettertour auf den Fuji sein, dachte ich. Mittlerweile versuchte ich krampfhaft überall etwas positives zu sehen. Ich war voll mit Schweiß und musste dringend auf eine Toilette. Auch meinen Freund plagten gewisse Probleme, was ich gekonnt aus seinen Worten "Boah ey, ich hab echt Hunger" schlussfolgerte. Damit die Stimmung nicht kippen würde, versuchte ich auch hier das Positive zu sehen: "Uns geht es gut, es könnte schlimmer sein. Schau, du musst nicht aufs Klo und ich hab keinen Hunger. Uns geht's gut". Das hatte irgendwie nicht den gewünschten Erfolg, sorgte aber dennoch für einen Lacher. Wink
Nach weiteren Treppenstufen erreichten wir dann endlich das Haupttor. Und es war offen! Leider mussten wir dann feststellen, dass die meisten anderen Tempel und Wege trotzdem schon geschlossen waren. Also machten wir zumindest von denen, welche uns zur Verfügung standen einige Fotos und gingen mit voller Blase und immer noch leeren Magen wieder zurück.


Der Weg ging hoch, die Stimmung blieb unten...








Der Weg zurück, welchen wir vorhin innerhalb 20 Minuten hinter uns gelassen hatten, gestaltete sich in so fern als angenehm, dass es jetzt Berg ab ging. Dennoch dauerte es dieses mal knapp 35 Minuten, bis wir wieder den Bahnhof erreichten. Natürlich hatten alle Souvenirläden längst die Schotten dicht gemacht. Immerhin sollte sich zumindest die Rückfahrt als wesentlich angenehmer und problemfreier gestalten, als die Hinfahrt. "Ich bin der Bruder von topfit. Ich bin überhaupt nicht fit", fasste mein Freund gekonnt seine Antwort auf meine Frage, wie er sich denn nun fühle, zusammen. Na immerhin hatte er seinen Sinn für Humor noch behalten. So schlimm konnte es also nicht sein Wink
Wie vorhin schon einmal kurz erwähnt, fing es nun kurz an zu Regnen. Da die Regenzeit in Japan allerdings schon vorbei war, blieb es auch nur bei einem kurzen Schauer. Oder besser gesagt "Schauerchen". Das Wolkenspiel über den Bergen von Nikko war aber dennoch ein wunderschön anzusehendes Bild und ein schöner Abschied eines am Ende doch nicht ganz so schlechten Tages.



Müde und erschöpft erreichten wir dann Tokyo und beschlossen, für heute nichts weiter mehr zu unternehmen. Also duschten wir uns noch, aßen etwas zum Abendessen und unterhielten uns auf Englisch mit einem Franzosen, welcher in Japan ist, aber eigentlich in Dänemark wohnt. Das nenne ich mal Globalisierung. (Hätte ich diese Geschichte doch mal früher gewusst. Im Englischunterricht sollten wir immer mal Aufsätze über globalisation schreiben... Wink Very Happy )
Froh (nicht zuletzt auch wegen einer nun leeren Blase Wink )  kroch ich in meine Schlafkapsel und fiel alsbald in einen tiefen und festen Schlaf. Den würde ich auch brauchen, denn am nächsten Tag sollte uns ein großer Berg erwarten, welchen es zu erklimmen galt...

To be continued...

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BeitragThema: Re: Japan 2018 -wenn einer eine Reise tut...   Do 2 Aug - 19:48

   

Tag 4 -Klettertour auf Japans größten Berg (Teil 1: Der Aufstieg)

Etwas mehr als 4 Stunden waren vergangen, seitdem ich mich in meine kleine Schlafkabine verkrochen hatte, als plötzlich mein Wecker der Meinung war, mich aus meinem soeben erst eingetretenen Tiefschlaf holen zu müssen. "Wer hat denn dieses Drecksding auf 5:15 gestellt?" dachte ich mir noch, bis mir einfiel: Ich.
Nun bin ich von Natur aus ein Mensch, dem das Nachdenken nicht immer so leicht fällt, schon gleich gar nicht am frühen Morgen. Deshalb brauchte ich eine Weile, bis ich mich zurechtgefunden hatte und mich auf den Sinn des frühen Aufstehens an diesem Tag entsann: Ich wollte ja klettern gehen...
So packten mein Freund und meine Wenigkeit unsere Sachen zusammen, die wir für sinnvoll erachteten und machten uns auf den Weg zur Busstation in Tokyo. Dort angekommen, erwarteten uns schon der Gruppenführer sowie einige andere Teilnehmer aus unserer Reisegruppe. (Natürlich hätte man auch auf eigene Faust losziehen und den Fuji erklimmen können. Jedoch wollten wir auf Nummer sicher gehen, da es für uns das erste Mal war, dass wir auf den größten Berg Japans kletterten und demzufolge nicht sicher waren, was uns erwarten würde. Die Tatsache, einen Guide dabei zu haben empfanden wir einfach als eine Art Absicherung, denn schließlich hatten wir noch einiges vor in Japan und wollten nicht riskieren uns irgendwie zu verlaufen oder schlimmeres... )
Nachdem das Gepäck verstaut war, nahmen wir im Bus platz und begannen, unsere Mitreisenden etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Neben uns hatte es sich ein junges, allem Anschein nach nicht verheiratetes Paar aus den Niederlanden bequem gemacht. So wie die sich allerdings stritten, hatte ich so meine Zweifel, ob die beiden überhaupt je heiraten würden. (Der Streit legte sich aber recht schnell wieder. Schien nur ne Kleinigkeit gewesen zu sein^^)
Etwas weiter hinter uns, nahmen 2 junge Leute, ebenfalls ein Paar (und wie wir später erfuhren, ebenfalls nicht verheiratet) aus Frankreich platz. Der Rest schien bis auf ein par Ausnahmen asiatischer Herkunft zu sein, jedoch keine Japaner. Das ging eher Richtung Vietnam oder Thailand. Auch China war vertreten. Mehr Details konnten wir nicht herausfinden, da eben jene Asiaten dem Englischen nicht mächtig waren. Das galt glücklicherweise nicht für unseren Guide, welcher ein recht solides Englisch zu sprechen im Stande war. Ansonsten waren noch einige andere Europäer vertreten, deren Herkunftsland wir aber nicht sofort heraushören konnten, da sie sich alle auf Englisch unterhielten. (Wie sich später herausstellen sollte: 2 Dänen, 2 Deutsche und 1 Schweizer).
Langsam setzte sich der Bus in Bewegung und unser Guide begann mit den Instruktionen wie wir uns zu verhalten hätten, worauf wir achten müssen, etc...
Ich hörte nur mit halben Ohr zu und beschloss stattdessen mir die vorbeischnellenden Hochhäuser, später dann Bäume, Berge und Reisfelder anzusehen. Schlafen war stattdessen fürs erste während der Fahrt verboten, soviel hatte ich noch mitbekommen. Was zunächst etwas seltsam erscheint, hatte aber einen logischen Grund. Würden wir jetzt für ca. 1 oder 2 Stunden schlafen, wären wir bei der Ankunft noch müder und...ach, jedenfalls hatte es seine Gründe. (Entschuldigung an dieser Stelle, ich hab den Grund echt vergessen). Bis auf die nicht Englisch sprechenden Gäste hielten sich aber alle dran. Unterwegs machten wir noch an zwei Rastplätzen halt. An der ersten konnte man sich mit reichlich Flüssigkeit und Essen eindecken (was nicht heißt, dass es das auf dem Fuji nicht gibt, aber dort ist es echt seeeehr teuer!) Also taten wir, wie uns empfohlen und kauften knapp 2 Liter Wasser für mich und meinem Kumpel. An der zweiten Raststätte hatte man die Gelegenheit, sich Sachen für den bevorstehenden Auf-und Abstieg auszuleihen. Mein Freund und ich waren bestens vorbereitet, weshalb wir keine Notwendigkeit sahen, das zu tun.


Wer mal genauer hinschaut, kann bereits den Fuji im Hintergrund sehen...

Noch einmal knapp 15 Minuten Fahrt und wir erreichten unseren Startpunkt: Die 5. Station des Yoshida Wanderpfades. (Es gibt insgesamt 4 verschiedene Wanderwege, welche auf den Gipfel führen. Der Yoshida Wanderweg war etwas länger als manch anderer, aber dafür nicht so anspruchsvoll). An der 5. Station gab es dann die aller letzte Möglichkeit zu halbwegs vernünftigen Preisen etwas zu kaufen, den sanitären Einrichtungen kostenlos einen Besuch abzustatten oder sich einen Spint zu mieten um dort sein Zeug, dass man nicht braucht, einzulagern.
Uns blieben noch gute 30 Minuten bevor unsere Tour starten sollte und so nutzten wir die Zeit um herauszufinden, woher der Rest der Reisegruppe war. Das nette Paar aus Deutschland war in der Nähe von Köln beheimatet. Die Anderen waren wie eben schon erwähnt Dänen und ein Schweizer. Während unsere Wartezeit wurden wir sogar noch von einem japanischem Journalisten für eine Zeitung interviewt (auf Englisch!).
Und dann ging es auch schon los. Kurz ein par wenige Aufwärmübungen, dann Rucksack umschnallen und loslaufen. Aufgrund der sehr vielen anderen Reisegruppen ging es nur sehr langsam voran. Und Bergab. Moment, was? Wir wollten doch zum Gipfel, warum dann bergab? Meine anfänglichen Zweifel wichen schnell, denn alsbald begann der Weg seine von mir erwartete Richtung, nämlich bergauf, anzunehmen. Gelegentlich mussten wir uns den ohnehin schon recht schmalen Pfad mit einigen Wanderern teilen, welche auf dem Rückweg waren. Der Blick in ihre Gesichter war allerdings angsteinflößend. Ob wir auch so aussehen würden, wenn wir zurückkommen würden? Surprised
Während des langen Weges kamen wir mit den beiden vorhin bereits erwähnten Franzosen ins Gespräch. Wie sich herausstellte, waren meine 8 Jahre Französisch in der Schule vollkommen für die Katz, denn bis auf "Baguette" wollte mir einfach nichts einfallen. Zum Glück sprachen die beiden sehr gut Englisch (und Aktzentfrei, ich war so dankbar), was unserer Konversation sehr zuträglich war. Wir freundeten uns an und erfuhren, dass die beiden für 1 Jahr hier in Japan bleiben würden und bereits zum zweiten Mal den Fuji bestiegen. Auf meine Frage, warum man sich solcher Mühen freiwillig ein zweites Mal aussetzt, kam die Antwort, dass es beim ersten Mal so schlechtes Wetter war und man keinen Sonnenaufgang auf dem Gipfel beobachten konnte. Das konnte ich natürlich sehr gut nachvollziehen und hoffte inständig, dass wir mehr Glück haben würden. Des weiteren erfuhren wir, dass die beiden einen YouTube Kanal betreiben, auf welchem sie ihre Zeit in Japan dokumentarisch festhielten.
(An dieser Stelle möchte ich den Reisebericht für eine kurze Werbepause unterbrechen: Wer sich den Kanal der beiden mal anschauen möchte, kann das nun tun. Es lohnt sich, auch wenn man dem Französischem nicht mächtig ist. Allein schon wegen der vielen Bilder Smile
https://www.youtube.com/channel/UCNrGVUeONkebh-W3qtMlKTw)

So, genug der Werbung, weiter mit dem Bericht Wink
Der Aufstieg war anders als erwartet nicht sonderlich anstrengend. Es hatte mehr den Charakter einer gemütlichen Wanderung, was wohl der geringen Geschwindigkeit zu Grunde lag. Anfangs führte uns der Yoshida Wanderweg noch durch Wald und hatte einen recht geringen Steigungsgrad. Das änderte sich abrupt, als wir an der 6. Station ankamen. Ab hier wurde das Gelände eher langweilig eintönig. Wir ließen den Wald hinter uns und erreichten nun die Landschaft, welche wohl bis hoch zum Gipfel bleiben würde: Geröll und Fels. Naja, was erwartet man auch, wenn man einen Vulkan erklimmen will? Von hier an führte der Weg immer im Zick-zack Muster den Berg auf. Der Untergrund aus Kies und Geröll erschwerte das Vorwärtskommen immens und so wurde das Tempo nochmals langsamer. Hinzu kam, dass wir gefühlt alle 10 Minuten eine Pause einlegten...
...also ich hatte es mir schwerer vorgestellt. Ich überspringe nun den Weg bis zur nächsten Station, denn ab da wurde es -zumindest für mich- interessanter, denn nun wich der Geröllboden und machte massiven Fels platz, welchen es mit Händen und Füßen zu überwinden galt. Jetzt hatte ich meinen Spaß. Ungestüm und kaum zu bremsen kletterte ich voraus und ließ alle anderen Teilnehmer unserer Gruppe hinter mir, nur um dann kurz zu warten bis sie mich wieder eingeholt hatten und dann wieder voraus zu klettern.


"Wenn einer eine Reise tut, dann oftmals nicht alleine." Selten hat ein Titel besser gepasst.


langsam lichtete sich der Wald...


...und Geröll bestimmte unseren Weg...


stolzer Kletterer hehehehe

Die Kletterei erreichte ihren Höhepunkt kurz vor der 8. Station, welche auf knapp 3000 Metern Höhe liegt (Der Fuji ist insgesamt 3776 Meter hoch).
An dieser Station sollten wir auch bleiben, denn es wurde bereits Abend. Schnell nahmen wir unser Abendessen ein(Curry mit Reis, seeeehr lecker), um dann wie wild herauszustürmen und Fotos zu machen. Denn nicht nur der Sonnenaufgang auf dem Gipfel ist ein Spektakel, sondern auch der Sonnenuntergang...auch, wenn es nicht ganz auf dem Gipfel war. Auch hier entstanden einige schöne Fotos, welche ich euch natürlich nicht vorenthalten möchte. Smile


noch kein Sonnenuntergang, aber dennoch ein schönes Bild. Und ein ebenso schönes Gefühl so hoch über den Wolken *träum*


und dann begann es: Wenn der Fuji einen Schatten wirft...


...dann bedeutet das, dass auf der anderen Seite die Sonne untergeht!



Der Rest des Abends gestaltete sich wie folgt: Nach dem Abendessen, für das wir nur knapp 15 Minuten Zeit hatten, konnten wir noch Ausrüstung wie Stirnlampe oder anderes erwerben. Ich entschied mich, Postkarten zu kaufen, um diese dann auf dem Gipfel bei Japans höchstem Postamt abzugeben ^^. Danach mussten wir auch schon unsere Betten beziehen. Wobei "Bett" trifft es nicht ganz. Nennen wir es mal Schlafplatz. Oder Platz. Eigentlich sogar nur "z". So klein war das. In einem "Abteil" mit dem Schweizer, dem männlichem Gesellen der beiden Franzosen und einem älterem Mann aus Singapur, teilten wir uns ein Schlafplatz von jeweils 1,5 x 0,40 m pro Person. Das ist echt nicht viel. Umso besser war die Stimmung. Wir unterhielten uns bis spät in die Nacht auf Englisch (der Schweizer konnte zwar auch Deutsch, aber wir wollten den netten Franzosen nicht ausschließen) und hatten sehr viel Spaß. Nachdem ich meine Briefmarken auf unerklärliche Weise verloren hatte und ich mir neue kaufen musste, entfachte sich eine tiefgreifende Diskussion über Karma. Als ich mit dem Satz "They´re those little things in life, that makes me gonna hate it" , mein Bedauern über das erneute Verschwinden meiner Briefmarken kund tat, reichte mir mein neuer Freund aus der Schweiz lachend seine Schokolade. Die hätte ich wohl jetzt nötiger als er, sagte er noch scherzhaft und realisierte, dass er sich eine neue Stirnlampe kaufen musste, da er seine vergessen hatte. Lachend gab ich ihm die Schokolade wieder zurück Very Happy
Auch mein Kumpel musste erstaunt feststellen, dass seine Briefmarken, bis auf eine, weg waren. Zu dritt gingen wir also nochmal runter (unser Schlafabteil lag im oberen Teil der Hütte) und besorgten uns, was wir brauchten.
Die Schlafphase hielt sich in Grenzen, denn wie eben schon erwähnt, ging das nicht sonderlich gut. Hätte sich aber eh kaum gelohnt, denn bereits um 2 Uhr morgens hieß es Aufstehen und fertig machen für die letzten 767 Meter zum Gipfel, um pünktlich bei Sonnenaufgang oben zu sein. Denn der Weg bis hoch zum Gipfel würde noch knappe 3 Stunden in Anspruch nehmen. 3 Stunden für nicht mal 800 Meter...Das darf ich meinem ehemaligen Sportlehrer aber nicht erzählen Wink Very Happy
Auf dem langen Weg nach oben, entstand eine einmalige Atmosphäre. Die Stimmung war eine seltsame Mischung aus Sentimentalität und Euphorie. Schieben wir das einfach mal auf den Schlafmangel und die dünne Luft.


diese Lichter da...das ist keine Stadt. Das sind die Karawanen die hoch zum Gipfel wollen Surprised

Obgleich die Luft spürbar immer dünner wurde, hatte ich keine Probleme mit der Höhenkrankheit. Dafür begannen meine Knie doch langsam zu schmerzen. Dazu gesellte sich dann noch mein linkes Bein und so wurden die letzten Meter doch endlich so anstrengend wie ich den eigentlich ganzen Aufstieg erwartet hatte.

Im nächsten Teil geht es dann weiter mit dem Sonnenaufgang und dem 2. Teil der Geschichte, den ich als HSV Fan nun gewohnt bin: Dem Abstieg. Wink Very Happy Sad

To be continued...

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BeitragThema: Re: Japan 2018 -wenn einer eine Reise tut...   Sa 4 Aug - 17:01

   

Tag 5 -Klettertour auf Japans größten Berg (Teil 2: Sonnenaufgang und Abstieg)

Da standen wir also: An der Spitze von Japans höchstem Berg, dem Fuji. Mittlerweile mit Jacke, Handschuhen und Mütze bekleidet, machten wir uns auf dem Weg zur Kraterumrundung. Die Windstärke hielt sich sehr in Grenzen, weshalb es uns möglich war, eben jene Umrundung des Kraters durchzuführen. So langsam konnte man am Horizont auch eine helle, wenn auch im Moment noch dünne, orangene Linie sehen. Viel Zeit hatten wir also nicht mehr, den absolut aller höchsten Punkt auf dem Fuji zu erreichen, um eine perfekte Aussicht zu haben und tolle Fotos zu schießen. Also beeilten wir uns und kamen ca. 30 Minuten später, etwas außer Atem, an. Zusehends wurde es immer heller, bis dann der Star des Tages (verstanden? Weil die Sonne ist ja ein Stern... Wink ) erschien!





















Was für ein Erlebnis! Lange hielten wir inne um diesen Naturspektakel beizuwohnen. Auch, wenn die Sonne jeden Tag aufgeht und ich schon oft einen Sonnenaufgang gesehen habe, so war dieser doch der mit Abstand schönste in meinem bisherigen Leben. Weit über den Wolken, hinabblickend auf den gigantischen Wald, der dem Fuji buchstäblich zu Füßen liegt und das Farbenspiel, als die Sonnenstrahlen auf den See trafen...das alles ergab einen fantastischen Gesamteindruck und einen unvergesslichen Moment in meinem Leben. Als wir den Krater schließlich umrundet hatten, kamen wir an unserer Ausgangsstelle an. Hier stellte ich erstaunt fest, dass es zahlreiche Souvenirläden und Hütten gab. Diese hatte ich zuvor in der Dunkelheit komplett übersehen. Jedoch war das Meiste nur Kitsch und viel zu überteuert, also sah ich davon ab, mir etwas zu kaufen. Die Fotos die ich hatte, waren Andenken genug und für mich persönlich 1000 mal mehr Wert als jedes andere Souvenir.
Nachdem sich alle etwas erholt hatten, begann dann auch schon der Abstieg. Dieser führte nicht nur Berg ab, sondern auch noch einen anderen Weg entlang als wir hinauf kamen. Also fragte ich unseren Guide, welcher uns erklärte, dass es zwar 4 Wege gibt die auf den Gipfel führen, aber nur einen, der wieder hinab führt. Dieser ist separat und wird ausschließlich für den Abstieg benutzt. Das hat wohl auch eine uralte Tradition, denn: bereits vor einigen 100 Jahren konnte und wurde der Fuji bestiegen. Damals war das allerdings nur hochrangigen Personen wie dem Kaiser oder Shinto Priestern erlaubt. Vor dem Aufstieg (damals gab es auch dafür nur einen Weg), galt man als schmutzig, unrein. Also erklomm man den heiligen Berg um oben zu "verbrennen", und spirituell (wenn auch definitiv nicht körperlich) gesäubert und rein wieder hinab zu steigen. Dass sich diese beiden Phasen, also die, der seelischen Reinheit und der seelischen Beschmutztheit nicht vermischen, gab es eben zwei verschiedene Wege. Wenngleich es nun vier verschiedene Routen für den Aufstieg gibt, wurde das Prinzip beibehalten. Also machten wir uns seelisch gesäubert (an dieser Stelle wäre mir eine Dusche für die körperliche Säuberung aber lieber gewesen) auf den langen Marsch nach unten. War für den Aufstieg eine Gesamtzeit von knappen 6 bis 7 Stunden angesetzt (Übernachtung nicht mit eingerechnet), waren es für den Abstieg lediglich 3. (2 1/2, wenn man sich etwas beeilt Wink )
Wer nun aus unserer Gruppe gedacht hat, dass es bergab ja nun nicht so schwer sein kann, der sollte sich gewaltig geirrt haben. Denn anders als der Weg nach oben, war dieser durchgehend mit Geröll und Kies versehen, in dem man bei jedem Schritt knöcheltief versank. Man hatte also ständig irgendwelche Steine im Schuh (und das obwohl wir knöchelhohe Wanderschuhe trugen), die Sonne schien unerbittlich und das ständige Bergab war für unsere (auch meine noch recht jungen) Knie nicht besonders angenehm. Hinzu kam, dass man ab und an stolperte oder abrutschte. An der 8. Station sammelten sich nochmal alle Gruppenteilnehmer zum Frühstück. Dieses bestand aus Reis und rohem Fisch, zusammen mit etwas Gemüse. (ganz klassisch für ein japanisches Frühstück). Danach erklärte uns der Guide, dass man sich hier von nun an trenne. Jeder durfte den Abstieg in seinem eigenen Tempo bewältigen. Darüber waren mein Freund und ich recht froh, denn es war anstrengend, ständig auf die anderen Teilnehmer zu warten und sich ihrem Tempo anzupassen (denn tatsächlich waren wir mit die Schnellsten und körperlich fittesten in der Gruppe).
Die nächsten 2 Stunden und 45 Minuten überspringe ich also, denn viel passierte nicht. Lediglich im zick zack Bergab laufen und gelegentlich einem Bulldozer platz machen (diese waren die Einzigen, die den Abstiegsweg als Aufstiegsweg befahren durften, denn die anderen, eigentlich für den Aufstieg vorgesehenen Wege sind nicht für Fahrzeuge geeignet). Mit den Bulldozern wird Essen und Trinken zu den jeweiligen Hütten transportiert. Derweil trafen wir auch noch auf das Deutsche Paar aus Köln, mit denen wir uns noch nett unterhielten. Unten bei der 5. Station (unseren gestrigen Startpunkt) angekommen, mussten wir uns erst mal setzen. Jetzt konnte ich verstehen, warum die Leute die uns gestern entgegen kamen so gruselige Gesichter hatten. Nach weiteren 20 Minuten waren wir vier etwas erholter und beschlossen, in eines der vielen Restaurants zu gehen. Am Vortag hatten wir nämlich von dem Gruppenführer einen Gutschein für eben jene Restaurants bekommen. Das nutzten wir nun aus, denn so eine lange und anstrengende Wanderung macht hungrig. Zum Mittag (gegen 12:00 erreichten wir ungefähr die 5. Station) ließen wir uns eine kräftige Udon Suppe schmecken (Udon ist eine sehr berühmte Suppe in Japan, meistens mit Nudeln und Gemüse, aber auch Fisch, Fleisch oder aber auch Muscheln können darin enthalten sein). Das tat gut. (Leider habe ich davon keine Fotos gemacht, da ich einfach nicht mehr daran gedacht habe xD)
Nach und nach versammelten sich auch die restlichen Gruppenmitglieder und so stiegen wir gemeinsam, erschöpft, dreckig und durchgeschwitzt wieder in den Bus, der uns zurück nach Tokyo bringen sollte. Unterwegs machten wir noch bei einem Onsen Bad Halt. Dieses konnte man optional noch zu der Tour dazu buchen. Wir hatten uns dagegen entschieden, denn Onsen sind, wie ihr vielleicht schon einmal gehört habt, sehr heiße Bäder. Und auf ein heißes Bad hatten wir im heißesten Sommer Japans seit über 40 Jahren nun wirklich keine Lust. Einige andere jedoch schon, weshalb wir warten mussten, bis diese fertig waren. Die Zeit vertrieben wir uns mit dem öffentlichen WLAN, dass es dort gab (zum Glück, denn einige Leute konnten von den heißen Quellen echt nicht genug bekommen -.-)
Als aber auch diese endlich zurück kamen, konnten wir unsere Rückfahrt endlich fortsetzen. Gegen 17:30 kamen wir in Tokyo an. Wir verabschiedeten uns von unseren neuen Freunden, den Franzosen und fuhren mit der Bahn zurück in unser Kapselhotel. (Mir tun die armen Leute in der Bahn echt leid. Was die wohl gedacht haben, als sie uns gesehen und vor allem gerochen haben? Very Happy Very Happy)
Ca. 2 Stück Seife, 3 Flaschen Shampoo und Wassermassen, welche einen ganzen Bergsee hätten Fluten können, waren von Nöten um mich wieder einigermaßen ansehnlich zu machen. Das tat aber auch gut! Müde und erschöpft verkrochen wir uns in unsere Schlafkapseln, um den versäumten Schlaf der vergangenen beiden Nächte wieder reinzuholen. Dieser war auch dringend nötig, denn auch am nächsten Morgen mussten wir etwas früher (wenngleich auch nicht um 5:15) aufstehen. Denn unsere Zeit in Tokyo und Umgebung neigte sich langsam aber sicher dem Ende und die nächste große Stadt erwartete uns. Und mit ihr noch so einige tolle, spannende und witzige Geschichten. Doch dazu später mehr.


In dem Sinne
To be continued...

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BeitragThema: Re: Japan 2018 -wenn einer eine Reise tut...   So 5 Aug - 16:22

   
Tag 6 -Das Problem mit den Zügen Teil 2 (oder: Wie man freundlich aus einen Zug geworfen wird)

Früh, aber dennoch ausgeschlafen und mehr oder weniger vollständig erholt, wachten wir am nächsten Morgen auf. Jetzt hieß es Koffer packen (was angesichts der Tatsache, dass wir in einem Kapselhotel waren, wir demzufolge keine Zimmer und deshalb auch keine Möglichkeit unsere Koffer großartig auszupacken hatten, ziemlich schnell erledigt war). Ein letztes Mal fuhren wir mit dem Fahrstuhl in den 8. Stock um dort im Gemeinschaftsraum unser Frühstück zu genießen, welches wir wie jeden Tag aus dem kleinen Lawson Supermarkt um die Ecke geholt hatten. Ein letztes Mal hieß es Frühstücken in Tokyo, der östlichen Hauptstadt, wie der Name auf Deutsch lauten würde. Danach verabschiedeten wir uns von dem freundlichem Personal und checkten aus. Ein letzter Blick zurück und dann schnurstracks zur Bahnstation. Dort fuhren wir einige Stationen um dann zur JR Station zu gelangen, denn von heute an konnten wir unseren JR (Japan Rail) Pass benutzen.
Den Sinn dieses kleinen, aber feinen Passes möchte ich hier noch einmal kurz etwas genauer erklären: Hat man ihn in seinem Heimatland beantragt, bezahlt und schließlich in Japan am Flughafen abgeholt, entscheidet man sich, von wann bis wann man diesen nutzen möchte (man kann ihn beispielsweise für 7 Tage buchen, vor Ort gibst du dann an, welche 7 Tage (diese müssen aber aufeinander folgend sein. Also beispielsweise vom 7.7. 2018 bis 13.7.2018). Das wird dann abgestempelt und eine kleine Karte wird in diesem Pass geklebt. Diese zeigst du dann am JR Schalter eines Bahnhofs dem Personal vor und die winken dich dann einfach durch.
Sinn #1: spart Zeit
Des Weiteren erlaubt dir der Pass, einige Züge, darunter auch die Shinkansen (bis auf 2 Ausnahmen, dazu aber gleich mehr) zu nutzen, ohne eben ein Ticket dafür zu kaufen.
Sinn #2: spart also Geld
Hier mal ein Bild aus dem Internet: So sieht der JR Pass aus:


Wie eben angesprochen gibt es ein par Ausnahmen für die der Pass nicht gilt. Diese sind einige privatisierte Bahnen, einige Fährverbindungen und der Mizuho- und Nozomi Shinkansen (die 3 anderen Shinkansen sind aber kein Problem).
Nun erwähnte ich in einem vorherigen Teil (an welchem wir nach Nikko gefahren sind), dass es ab und an, trotz oftmals Englischer Beschriftung, nicht ganz einfach ist, sich sofort auf Anhieb zurecht zu finden. Denn JR Linie ist nicht gleich JR Linie. Es mag ja sein, dass da dran steht Tokyo - Kyoto oder Tokyo - Osaka, aber das muss noch lange nicht heißen, dass dann auch der passende Shinkansen dort fährt. Und so kam es wie es kommen musste: Wir stiegen in einen der "verbotenen" Shinkansen, dem Mizuho Shinkansen, ein. Die Hälfte der Strecke Tokyo - Osaka lag bereits hinter uns, als eine hübsche Fahrkartenkontrolleurin unser Abteil betrat. Wir machten uns keinen Kopf (warum auch, wir hatten ja einen JR Pass und waren uns unseres Fehlers noch nicht bewusst) und zeigten das kleine Faltblatt vor. Der Kontrolleurin viel das hingegen schon auf und teilte uns sofort unseren Fehler mit.

...
Wer sich in Deutschland mal in einer ähnlichen Situation befand, dass er versehentlich in einen Zug gestiegen ist, für den er keine gültige Fahrkarte besaß und erwischt wurde, der weis, dass die DB und deren Angestellten da überhaupt keinen Spaß verstehen. Wie tollwütige Pitbulls fallen diese dann über einen her und lassen nicht eher von einem ab, bis man sein Ticket nachgelöst und eventuell sogar noch eine Strafe gezahlt hat. Wenn man viel Glück hat, wird man einfach nur am nächsten Bahnhof in hohen Bogen und einigen unfreundlichen Wörtern rausgeschmissen.
Nicht so in Japan. Geduldig und überaus höflich erklärte uns die nette Frau, dass wir in einem Zug saßen, welcher zwar nach Osaka fahren würde, aber leider, leider nicht mit dem JR Pass benutzt werden kann. Dieses Missverständnis bedauere sie zu tiefst und entschuldigte sich kurzerhand bei uns (!). Doch damit nicht genug, nein. Sie ging kurz fort, nur um kurz darauf mit Zettel und Stift wieder zu kommen. Fein säuberlich zeichnete und schrieb sie (natürlich extra mit lateinischen Buchstaben) uns die JR Linie auf, die wir brauchten und wie wir diese am schnellsten finden würden. An der nächsten Station (in Nagoya), wurden wir dann höflich aus dem Zug geleitet. Zum Schluss verbeugte sie sich noch einmal und wünschte uns eine gute Weiterreise. Kein Nachlösen eines Tickets. Keine unfreundlichen Worte. Keine Strafe. Das warf mich echt aus der Bahn (verstanden? Very Happy )
In Nagoya warteten wir dann ca. 10 Minuten und stiegen dann in den nächsten Shinkansen (dieses Mal der Richtige) ein. Der Rest der Fahrt verlief reibungslos. Wir machten noch Halt in Kobe und Kyoto bevor wir endlich in Shin-Osaka ankamen. Wir verließen den Bahnhof und fanden uns augenblicklich in einer riesigen Shopping Mall wieder. Wir beschlossen dennoch, fürs erste unser Hotel aufzusuchen und unsere Sachen abzustellen, bevor wir uns diese Einkaufsmeile vornahmen. Das Hotel, WBF Shinsaibashi, war schnell gefunden, lag es doch nur wenige hundert Meter von eben jener Straße des Konsums entfernt.



Auch hier mal ein kurzer Cut für Werbung: Wer auf der Suche nach einem guten, aber günstigen Hotel in Osaka ist, wird hier fündig:
https://www.jalan.net/en/japan_hotels_ryokan/Hotels/Osaka_Hotels/Shinsaibashi_Nanba_Yotsubashi_Hotels/Shinsaibashi_Nanba_Yotsubashi_Hotels/hotel_wbf_shinsaibashi/
Wie sich herausstellen sollte, ein absolut super schönes Hotel, kleine Zimmer, aber dennoch sehr gut ausgestattet. Frühstück inklusive, umfangreich und lecker. Sehr sauber und echt günstig! Das Personal wie überall freundlich und zuvorkommend (und natürlich Englischsprachig!)
-Werbung Ende-

Wir checkten also ein, verstauten unsere Koffer in unseren Zimmern (jeder hatte natürlich sein eigenes Zimmer, denn 2 Wochen ständig zusammen...da tut es auch mal gut etwas für sich zu sein und wenn es nur abends oder nachts war Wink ) und gingen wieder zurück zur eben angesprochenen Shopping Mall. Es war bereits schon später Nachmittag als wir dort ankamen und so beschlossen wir, für heute nichts anderes mehr zu tun, sondern einfach nur hier zu bleiben, Läden zu durchstöbern und nach einem kleinen Restaurant Ausschau zu halten (denn in Tokyo haben wir uns stets damit zurückgehalten, damit wir in Osaka so richtig oft essen gehen konnten. Denn Osaka hat so viele Spezialitäten, die wir alle probieren wollten! Typische Handelsstadt eben.)
Übrigens: Seit der ersten Sekunde, in der wir Osaka betreten hatten, fühlte ich mich auf eine seltsame Art und Weise wohl. Es war, als ob mir diese Stadt so vertraut war, als ob ich schon immer hier gelebt hätte. Kein Wunder, meine bisherige Lieblingsstadt ist Hamburg (nicht nur weil ich HSV Fan bin!) und wie es der Zufall will sind Osaka und Hamburg auch Partnerstädte!
Und obwohl Osaka genau wie Tokyo eine riesige Stadt und Heimat von Millionen von Menschen ist, hat man hier nicht das Gefühl überrannt oder überfordert zu werden, wie man es ab und an in Tokyo hatte. Versteht mich nicht falsch, auch in Tokyo geht alles gesittet und absolut ohne Gedrängel von statten, aber das Feeling das ich in Osaka hatte, war trotz allem so anders als jenes in Tokyo. Es war ruhiger und dennoch nicht leise. Es war...mehr Japan als Tokyo.
Whatever, das kommt dann zum Schluss in meine Zusammenfassung mit rein Wink
Es dauerte nicht lange, bis wir auch schon ein Restaurant fanden, was wir nach nur einem kurzen prüfenden Blick sofort für unser würdig befanden: eine kleine, aber feine Sushi Bar! Ihr wisst schon, wo man sich hinsetzt und vom Fließband die Teller nimmt, isst, Teller stapelt und dann später anhand der gesammelten Teller seine Rechnung bezahlt. Genau so einer. Schon oft habe ich von Leuten, die einst in Japan waren gehört, dass selbst das abgepackte Supermarkt Sushi in Japan besser sei, als jenes in Deutschen Restaurants. Und jenes, in Japanischen Restaurants einfach nur überwältigend sei. Was soll ich sagen...sie hatten recht. War ich vorher noch nicht der größte Sushi Fan, bin ich es jetzt. Es war einfach so lecker. Als Vorspeise bestellten wir uns eine leckere Udon Suppe (ich mit Muscheln), danach verputzten wir einen Teller nach dem anderen und zum Nachtisch noch ein Eis. Hach, ich war hin und weg. Selbst die Rechnung hielt sich in Grenzen, da kann man in DE aber wesentlich teurer Sushi essen...


Satt und überaus zufrieden schlenderten wir weiter durch die Straßen Osakas und fanden so manche hübsche Gasse und so manches hübsches Plätzchen.




frozen Matcha macht glücklich, das wissen auch die Angestellten ^^


Wer erinnert sich da nicht gerne an die Filme aus dem Studio Ghibli zurück? *o*


Mein absoluter Lieblingsplatz in Osaka: am Ufer des Yodo Flusses, welcher die Städte Kyoto und Osaka (u.a.) durchquert...
Das Farbenspiel mit den Lichtern, die sich im Wasser spiegeln ist so schön...

Mit einem tollen ersten Eindruck von Osaka, machten wir uns auf den Weg zu unserem Hotel. Mittlerweile war es auch schon recht spät geworden und wir waren ohnehin vom vielen Umherreisen und Koffer schleppen geschafft, weshalb wir auch schnell in einen tiefen und erholsamen Schlaf vielen. Und es sollte die beste Nacht seit langem werden. (Ein Hoch auf die Klimaanlage!)

To be continued...

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BeitragThema: Re: Japan 2018 -wenn einer eine Reise tut...   Mi 8 Aug - 17:17

   
Tag 7 - Wer Cracker hat, hat Freunde. Ein Ausflug nach Nara

An diesem Morgen hieß es endlich mal ausschlafen. Naja, mehr oder weniger. (Tatsächlich bin ich um 8 aufgestanden, was in Anbetracht der letzten Tage echt sehr spät war Very Happy )
Gemütlich saßen mein Freund und ich am Frühstückstisch zusammen und diskutierten das Weltgeschehen und -was noch viel wichtiger war- was wir heute machen wollten. Die Antwort darauf war schnell gefunden: Es sollte nach Nara gehen. Gesagt, getan. Schnell packten wir noch unsere Rucksäcke zusammen und schon ging es los. Wie immer natürlich zu erst zur Bahnstation. Auf den Weg dorthin kamen wir an einem Souvenirstand vorbei, welcher nur an diesen einen Tag geöffnet war. Dort konnte man Sticker und Anhänger aller Art kaufen. Die waren echt cool und so niedlich! Da kamen wir einfach nicht drum rum. Einige Minuten später, waren auch schon 2 Favoriten gefunden (was bei der Auswahl echt nicht leicht war!). Als der Verkäufer heraus fand, dass wir aus Deutschland kommen, war echt plötzlich sichtlich begeistert und schenkte uns kurzerhand noch 2 Sticker unserer Wahl. Noch einmal einige Minuten des schwierigen Auswählens später verließen wir den Stand mit 4 Stickern wieder ^^
Danach ging es ohne große Unterbrechung oder Zwischenfälle bis nach Nara. Dort angekommen, verließen wir das Bahnhofsgelände und fanden uns plötzlich umzingelt von Hirschen wieder. Denn Nara, eines der beliebtesten Ausflugsziele für Ausländer gleichermaßen wie für Japaner, ist Heimat der Nara-Hirsche. Überall laufen diese heiligen Tiere frei herum und schwören demjenigen mit dem meisten Essen die Treue Wink
Bevorzugt werden dabei irgendwelche Cracker, welche man vor Ort überall kaufen kann, für 100 Yen bekommt man eine ganze Packung (weniger geht nicht). Sobald man den Beutel mit Crackern in seinen Händen hält, bleiben einem nicht mehr als wenige Sekunden um diesen hoch in die Luft zu halten, damit er einem nicht sofort aus eben jenen Händen gerissen wird. So süß die Tierchen auch sind, so verfressen und zutraulich sind sie. Auch mir erging es nicht anders. Kaum war das Kaufgeschäft vollzogen, fand ich mich in Mitten einer Masse aus Nara Hirschen wieder. So viele Freunde hatte ich noch nie. Leider musste ich feststellen, dass diese nicht nur aus reiner Symphatie zu mir kamen, auch waren sie nicht meinem unendlichen Charme erlegen. Nein, sie waren (natürlich) nur hinter meinen Crackern her...
...Doch darüber kam ich hinweg, schließlich entstanden auf diese Weise einige lustige und schöne Bilder:











Besonders lustig anzusehen war hier eine junge Frau, welche angesichts der zahlenmäßigen Überlegenheit ihrer neuen tierischen Freunde sichtlich überfordert war und schreiend im Kreis rannte. Mit den Worten "Nooo! Not this one, not this one!" versuchte sie den Hirschen klar zu machen, dass sie keine Cracker mehr hatte und sie gefälligst ihre Handtasche in Ruhe lassen sollten. Doch irgendwie schien es da Kommunikationsschwierigkeiten zu geben... Very Happy Very Happy
Irgendwann bekamen wir dann Mitleid und lenkten die Hirsche mit unseren Crackern ab, so dass sie von der jungen Frau abließen. Echte Gentleman halt... Wink

Irgendwann hatten wir jedoch genug der Hirsche und so setzten wir unseren Weg fort. Denn Nara hat neben den Hirschen noch einiges mehr zu bieten. Nach einem ca. 15 minütigen Fußmarsch kamen wir dann an der hiesigen Tempelanlage an. Zutritt bekam man durch ein großes Tor. Und auch hier: Hirsche. Zahlenmäßig allerdings mit den Touris gleichauf. :/
Langsam ging es vorwärts und wir betraten die Tempelanlage.







Weiter ging es dann zu einer anderen großen Buddha Statue (allerdings nicht so groß wie in Kamakura). Beindruckend aber allemal. Besonders die Wächterstatuen, welche den Buddha bewachten...





Die Mittagszeit war bereits vorbei, als wir unseren Rundgang fortsetzten. Die Sonne schien unerbittlich und die Temperaturen stiegen auf ca. 39 Grad. Glücklicherweise gab es an jeder Ecke kalte Getränke und Eis. Nach dieser äußerst willkommenen Abkühlung gingen wir einen kleinen Pfad entlang, welcher glücklicherweise durch einen Wald führte. Endlich mal Schatten! Das tat echt gut. Dieser Pfad führte uns zu einer anderen, aber nicht weniger beeindruckenden Tempelanlage.







Als auch hier alles bewundert und besichtigt war, schleppten wir uns mit den letzten uns noch zur Verfügung stehenden Kräften eine laaaange Treppe hinauf (Keine Tempelanlage ohne Treppe, was?)
Die Mühe sollte sich allerdings lohnen, denn wir wurden mit einem fantastischen Ausblick über Nara belohnt.





Erschöpft vom vielen umherlaufen ließen wir uns auf einer kleinen Bank im Schatten nieder. Dort blieben wir ein Weilchen bevor wir entschieden, noch ein bisschen durch die Innenstadt zu laufen. Dort gab es zwar keine Tempel oder Hirsche mehr, aber dafür unzählige Hochzeitsgeschäfte. Hier scheinen die Leute echt viel zu heiraten. Das ging uns aber nichts an und so setzten wir unseren Weg fort und gingen langsam wieder zurück in Richtung Bahnhof. Inzwischen war es gefühlt noch sehr viel wärmer als noch wenige Stunden zuvor und so waren wir überglücklich als wir im Zug saßen, welcher wie jeden Gebäude und jedes Fahrzeug in Japan über eine Klimaanlage verfügte. Am frühen Abend erreichten wir Osaka. Wir liefen abends noch etwas durch die Gassen und am Flussufer entlang und ließen den Abend ausklingen. Das beinhaltete unter anderem auch, etwas essbares zu finden. Also durchsuchten wir die Straßen Osakas nach etwas, was lecker aussah. Das war auch schnell gefunden. Von außen strahlte uns eine riesige, leuchtende Krabbe an und so dachten wir, "warum auch nicht". Nun sah es von außen so aus, als ob es eine kleines, uriges Restaurant wäre, doch dieser Eindruck lichtete sich schnell. Kaum innen angekommen, passierten wir ein großes Aquarium mit (lebenden) Krabben und wurden alsbald in einen Aufzug geführt, welcher uns in die 4. Etage brachte. Dort angekommen mussten wir unsere Schuhe ausziehen und wurden von einer Japanerin, gekleidet in einem traditionellen Yukata, an einen Tisch geführt. Dieser war nur Kniehoch, so dass man sich auf ein Kissen hinknien musste. Shit, so was traditionelles war zwar schön und gut, jedoch verhieß das meistens nichts gutes, was die Preise angeht. So war dem auch. Ein kurzer Blick auf die Speisekarte lies mein Gesicht in Sekundenschnelle erblassen. Das war so nicht geplant. Da uns in der Zwischenzeit allerdings schon Getränke gebracht wurden, blieb uns keine andere Wahl als sitzen zu bleiben. Kurzerhand machten wir das Beste aus der Situation und bestellten eine große Mahlzeit für zwei und teilten den Preis. Schlappe 5000 Yen (ca. 39€) pro Person kostete uns der Spaß. Schwer vorstellbar, aber dieses Gericht für 10000 Yen war tatsächlich noch eines der billigeren Surprised
Aber dieser Preis war, wie ich feststellte, durchaus berechtigt. Noch nie hatte ich so etwas leckeres gegessen. Mehrere Gänge mit bestem Krabbenfleisch und einigen Beilagen wurden uns gereicht. Diese konnten wir dann selbst auf einer heißen Platte, welche auf dem Tisch lag, zubereiten. Hinzu zu dem köstlichen Essen kam noch die tolle Aussicht auf die Flusspromenade des Yodo Flusses in Osaka!



Gesättigt und einiges an Geld leichter, verließen wir die "Krosse Krabbe" (wie wir sie kurzer Hand getauft hatten) und gingen zurück zum Hotel. Sehr erschöpft viel ich nicht nur in mein Bett sondern auch in einen tiefen Schlaf. Und so endete auch dieser Tag in Osaka, einer Stadt welche mir mehr und mehr gefiel.

To be continued...

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BeitragThema: Re: Japan 2018 -wenn einer eine Reise tut...   Di 21 Aug - 16:00

   
Tag 8 -Auf den Spuren von James Bond

"Mir ist zu heiß, ich hab Kopfschmerzen und mein Trinken ist schon wieder alle. Lass mich zurück, ich bin nur Balast für dich..."

Ca. 6 Stunden vorher:
Es war bereits später Vormittag und die Sonne stand schon hoch am Himmel, als wir unser Hotel verließen. Vorher hatten wir uns bei einem ausgiebigen Frühstück gestärkt und uns natürlich mit Sonnencreme eingerieben (darin gebadet würde es sogar noch eher treffen xD). Das heutige Ziel lag zwar ein bisschen weiter entfernt als Nara, jedoch mit dem Shinkansen schnell und gut erreichbar. So standen wir also auf den Bahnhof und warteten, als er dann auch angebraust kam: Der...Hello Kitty Shinkansen?! OMG, damit hatte ich nun nicht gerechnet, aber süß sah er ja doch irgendwie aus. Oder um es mit den Worten der Japanerinnen neben mir zu sagen: KAWAAIIIIIIIIIII!!! (Ausdruck für etwas seeeehr niedliches)



Also nahmen wir in diesem an Niedlichkeit kaum noch überbietbaren Zug platz und fuhren nach Himeiji. Diese Stadt ist vor allem für eins berühmt: Ihre Burg (was auch sonst, ne?)
Die Himeiji-joo, oder auch "Burg des weißen Reihers", ist die Einzige ihrer Art, welche noch im Originalzustand erhalten ist. Natürlich, restauriert wurde auch sie, aber eben nicht komplett neu aufgebaut wie viele andere Burgen Japans. Bereits vom Bahnhofsgelände aus konnten wir die Burg, welche auch als Schauplatz zahlreicher Filme wie u.a. James Bond oder auch "the last Samurai" diente, sehen.





Inzwischen war es Mittagszeit und die Sonne platze auf uns runter, dass es eine Art hatte. Ich war mir nicht genau sicher, wie heiß es war, aber auf jeden Fall war es zu heiß. Temperaturen jenseits der 40 Grad mussten hier vorherrschen, so viel war schon mal sicher. Durch die Lautsprecher der Burg wurden im zehn Minuten Takt Durchsagen getätigt (auf Japanisch, Chinesisch und Englisch), in welchen vor der großen Hitze gewarnt wurde, begleitet von der Aussage, man möge doch bitte dafür sorgen ausreichend zu trinken, einen Kopfschutz zu tragen und sich tunlichst im Schatten bewegen. Naja, Schatten gab es hier glücklicherweise viel, eine Mütze trug ich auch und flüssiges konnte man an einem Stand sehr günstig erwerben. Ich machte mir also keine Sorgen, das sollte sich aber bald ändern. Nachdem wir nun also das Burggelände betreten hatten und durch den ersten Teil der Burganlage gelaufen waren, ging es in das historische Gebäude hinein (Fotos waren da keine erlaubt, weswegen ich verständlicher weise keine machen konnte). Innen war es größtenteils so, wie man sich so eine alte Burg vorstellte. Viel Holz und Treppen. Gerade letztere machten mir immer mehr zu schaffen, denn obwohl ich mich an das heiße Klima hier in Japan gewöhnt zu haben schien, ging es mir an diesen Tag zusehends schlechter. Ich trank bereits meine dritte Wasserflasche, was zugleich auch meine letzte war, als wir im obersten Stock der Himeiji Burg ankamen. Wenigstens die Aussicht ließ mich kurz an etwas anderes denken...







Vor allem die sanfte Brise genoss ich sehr, kühlte sie doch wenigstens etwas ab und war eine willkommene Abwechslung. Das Problem bei der Sache: Ich konnte ja nicht ewig da stehen bleiben. Und das nächste Problem: Ich musste nun die ganzen Treppen wieder hinunter. Seufz. Wer kam nochmal auf die glorreiche Idee, im Sommer nach Japan zu gehen? Ach ja. Das war ich...
Irgendwie musste ich jetzt an ein Lied von Sabaton denken, "To Hell and back", welches -ironischer weiße- zugleich auch das Lied für meinen Handywecker am Tag unserer Abreise in DE war. "Zumindest von den Temperaturen stimmt das ja mal absolut", dachte ich.
Irgendwann kamen wir wieder unten an und begannen umgehend damit, den Stand aufzusuchen, an dem man kühles H2O käuflich erwerben konnte. 5 Minuten des Anstehen später, waren wir um 3 Wasserflaschen reicher. Eine davon trank ich auch sofort leer.
Zugegeben, große Lust hatte ich ja nicht mehr, aber dennoch beschlossen wir nun auch noch das Burggelände zu besichtigen.
Dieses bestand u.a. aus einem großen Platz welcher -ihr ahnt es schon- vollkommen in der Sonne lag. Schnell ein paar Fotos geschossen und nichts wie weiter.



Wir ließen den Platz hinter uns und gingen weiter in die uns durch Pfeile vorgegebene Richtung der "Burg Route" und betraten ein anderes Gebäude. Dieses gab innen hauptsächlich die Geschichte ihrer Besitzer wieder, welche mir in diesem Moment...nennen wir es mal "egal" war. Ich hatte andere Sorgen, denn so langsam leerte sich mein Trinken erneut, was man dafür von meiner Blase nicht behaupten konnte. Und diese Hitze. Und so kam es dann auch zu dem Satz, welchen ihr am Anfang bereits lesen konntet:
"Mir ist zu heiß, ich hab Kopfschmerzen und mein Trinken ist schon wieder alle. Lass mich zurück, ich bin nur Balast für dich..."
Glücklicherweise hatte mein Kumpel Verständnis (ihm ging es ja ähnlich) und so beschlossen wir, den Rundgang zu beenden und das Schlossgelände Richtung Innenstadt zu verlassen. Vorher aber taten wir noch etwas. Wer möchte raten? =D

Spoiler:
 

Auf dem Weg zurück in die Stadt kamen wir noch an einem kleinem Tempel vorbei. An diesem hielten wir kurz inne und beteten für dies und das.
Am Bahnhof angekommen machten kehrten wir noch kurz in ein kleines Café ein und gönnten uns kalten Cheese Cake mit Vanille Eis! 美味しいかった![oishii katta, es war sehr lecker]
Zurück in Osaka drehten wir -wie jeden Tag- unsere Runde durch die Stadt an der Flusspromenade entlang. Da es bereits später Nachmittag war und es bereits anfing dunkler zu werden (das geht hier echt schnell), war es nicht mehr so unerträglich heiß. Wir suchten noch ein kleines Lokal zum einkehren und wurden schließlich in einem eher traditionell gehaltenem Viertel Osakas fündig. Klein, nett und urig. So muss das sein. Großen Hunger hatte ich ohnehin nicht und nach dem gestrigen Abendessen musste sowieso wieder etwas Geld gespart werden Wink
So bestellte ich also nur ein wenig gegrillten Oktopus. Grillen durfte ich ihn natürlich selber, auf einer heißen Tischplatte. Das gefiel mir besonders gut. ^^ (Warum auch immer. Manchmal bin ich wirklich leicht zu begeistern xD)



Mein Kumpel ließ sich Okonomiyaki schmecken, eine Spezialität Osakas. (Welche ich im übrigen bis heute nicht probiert habe. Schande über mich!)
Gesättigt und mit weitaus besserer Laune, verließen wir das Lokal und erkundeten noch etwas die kleinen Gassen dieses Viertels.





Alle paar Meter konnte man Musik vernehmen. Zahlreiche Einzelkünstler und Musikgruppen gaben ihre eigenen und/oder bereits bekannte Lieder zum Besten. Anders als in vielen Ländern der EU blieben die Leute aber stehen und sangen und klatschten begeistert mit. Spätestens jetzt war die Laune wieder richtig gut ^^
Nichts desto trotz gingen wir nun wieder zurück ins Hotel, denn es war ein anstrengender Tag und wir hatten Schlaf bitter nötig.
So ging der wohl heißeste Tag meines bisherigen Lebens zu Ende. Und mit ihm meine Kopfschmerzen. Hurra. Wink

To be continued...



Zuletzt von traffylaw am Fr 28 Sep - 0:33 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Japan 2018 -wenn einer eine Reise tut...   Di 25 Sep - 0:35

   
Tag 9 - Reise in eine längst vergangene Zeit

Ein wenig müde, dafür aber ohne Kopfschmerzen wachte ich am nächsten Morgen auf. Es dauerte eine Weile, bis ich mich zurechtgefunden hatte. War aber nicht schlimm, denn auch mein Kumpel wirkte noch etwas müde Wink
Gemütlich gingen wir runter um in Ruhe zu frühstücken. Bei dieser Gelegenheit besprachen wir auch gleich die Pläne für den heutigen Tag. Denn, aufgrund dessen, dass wir bereits am Ankunftstag Osaka besichtigen konnten (siehe Tag 6), wurde unser "Terminplaner" etwas durcheinander geworfen. Denn eigentlich war für heute die Tour durch Osaka geplant. Dieser Umstand gefiel uns aber recht gut, ergab sich somit doch ein zusätzlicher Tag den wir nutzen konnten um mal etwas außerplanmäßiges zu tun. Schnell waren 2 Ideen/Reiseziele gefunden: Hiroshima. Diese Stadt erlangte traurige Berühmtheit durch den Atombombenabwurf am 6. August 1945. Durch die Atombombe "Little Boy" (ein -mal nebenbei angemerkt- sehr unpassender Name für eine Vernichtungswaffe diesen Kalibers) wurden binnen weniger Sekunden eine ganze Stadt dem Erdboden gleich gemacht, unzählige Leben ausgelöscht und Leid verursacht, was kaum ein Mensch zu beschreiben vermag...

Das andere Ziel war Iga. Diese Provinz, nördlich von Osaka ist wohl nur hartgesottenen Japan Fans bekannt (und Japanern selbst. Logisch xD). Wohlgleich solltet ihr alle aber etwas mit dem Begriff "Ninja" anfangen können. Jene legendäre Kämpfer, welche als Schattenkrieger Legendenstatus erreichten. Der Mythos um diese sagenumwobenen Kämpfer, das pendant zu den Samurai, fasziniert Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen.
Beide Ziele lagen ungefähr gleich weit von Osaka entfernt. Iga nördlich, Hiroshima südlich. Da wir aber beide sehr schnell mitgenommen werden von traurigen Ereignissen und diese Reise nicht unbedingt eine traurige werden sollte, entschieden wir uns letzten Endes doch für Iga. Wir sollten es nicht bereuen.
So machten wir uns gegen 10 Uhr morgens auf den Weg zum Bahnhof, um dort mit einem Zug, dieses Mal aber kein Shinkansen, Richtung Norden zu fahren.


auch hier ging die Fahrt durch das ländliche Japan. Entlang zahlloser Reisfelder, Berge und Wälder.
...und Strommasten Wink
Nach einigen Stunden (reibungslos) verlaufender Fahrt kamen wir dann an. Aber Moment, wo denn genau? Dieser Bahnhof sah nicht nur etwas verlassen aus, mehr noch. Er schien irgendwo im nirgendwo zu liegen. Glücklicherweise fanden wir doch recht schnell einen Bediensteten Bahnhofsvorsteher, der uns erklärte, dass wir den Rest der Strecke mit einem Bus fahren müssten.
...diesen verpassten wir um genau 1 Minute. Was auch sonst...
Die nun entstandene Wartezeit von nicht weniger als 45 Minuten nutzten wir äußerst produktiv: Wir saßen auf einer Bank und warteten. Ab und zu verließen geistreiche Gedanken unsere Münder. Wie beispielsweiße: "Boah ist das warm."
Oder auch: "Ich hab kein bock mehr auf Warten!". Auch der mittlerweile zum Klassiker gewordene Spruch "Ich bin zu alt für so n Scheiß. Ich brauch Kaffee!", welcher wohl genau so alt war wie die Legende der Ninjas selbst, kam das ein oder anderen Mal über unsere Lippen. Wink


Da saßen wir nun. Wartend auf den nächsten Bus...

Nach ca. 20 Minuten schlich sich eine glorreiche Idee in meinen Kopf, welche ich auch sofort umzusetzen gewillt war: einen Getränkeautomat aufsuchen und etwas flüssiges zu kaufen. Nun sollte man meinen, dass das kein allzu großes Hindernis sein sollte und einer Erwähnung angesichts der bereits sehr oft beschriebenen hohen Temperaturen im Sommer Japans keiner Erwähnung mehr bedarf. Vermutlich wäre dem auch so, wenn meine Augen nicht ein Getränk ins Visier genommen hätten, welches ich noch nie zuvor gesehen hatte. Der Schriftzug "Fanta" ließ mich allerdings denken, zu wissen, was ich mir da kaufen würde. Ich sollte mich selten so geirrt haben. Im Nachhinein hätte mir dieses grelle Lila Etikett schon ein wenig zu denken geben können, aber vom Durst getrieben war ich zu allem entschlossen. Ich kaufte mir diese Flasche, öffnete sie und...:
Bekam augenblicklich Diabetes. Ein Geruch, süßer als alles andere was ich jemals zuvor gerochen hatte, erfüllte unverzüglich das gesamte Bahnhofsgelände. Naja. Einmal gekauft, entschloss ich mich dennoch, die Flasche komplett leer zu trinken. -Ein Fehler. Bereits der erste Schluck öffnete mir buchstäblich die Augen. Nach 4 weiteren Schlucken war ich mir sicher: Ich kann tote Menschen sehen. Das Getränk, welches auf mich die selben Auswirkungen hatte wie auf andere eine Tüte Koks (so vermutete ich jedenfalls), ließ jedoch die Wartezeit schnell vergehen. Für mich zumindest. Für meinen Kumpel hingegen wurde die Zeit noch länger, denn er musste mich ja die ganze Zeit ertragen. (An dieser Stelle noch einmal: Sorry, bro! Very Happy )Noch heute erzählt man sich Geschichten von einem seltsamen Jungen in Japan...
Doch genug davon. Schließlich kam der Bus und somit meine erste Fahrt in einem (Linien-)Bus in Japan. (der Bus zum Fuji war ja kein Linienbus)
Und was soll ich sagen? Das ist irgendwie anders als hier in Deutschland. Also nicht die Fahrt an sich. Wohlgleich aber das einsteigen. Das tut man nämlich zur hinteren Tür. Dort zieht man dann ein Ticket an einem Automaten und setzt sich erst einmal hin. Kommt man dann an der gewünschten Haltestelle an, steigt man vorne aus, entwertet das Ticket und bezahlt ebenfalls an einem Automaten den Preis für die gefahrene Strecke. Auf freiwilliger Basis kann man dem Busfahrer noch ein wenig "Trinkgeld" in einen Glasbecher geben. Seltsam, denn normalerweise gilt Trinkgeld in Japan als überaus unhöflich.
Nach ca. 15 Minuten gemütlicher Fahrt durch eine wunderschöne ländliche Gegend kamen wir dann auch an. Und irgendwie hatten wir das Gefühl, dass wir dieses Mal richtig waren...



Uiiii, da steht doch tatsächlich was Deutsches auf dem Schild! Surprised

Nach kurzer Bewunderung der weiblichen Ninja Dame auf dem Schild und einem kurzen Besuch der sanitären Einrichtungen, setzten wir unsere Reise fort. Dieses Mal zu Fuß. Hatte ich schon einmal erwähnt, dass die Provinz (und natürlich auch die Stadt Iga) von Bergen umgeben sind? Nein? Na jetzt wisst ihr es. Und einen Tag später sollten es auch unsere Beine wissen. Denn -soviel war mir sofort klar- das würde einen Muskelkater nach sich ziehen, der es in sich hätte. (Kleine Anmerkung an dieser Stelle: Ging so. Hätte schlimmer sein können Wink )
Schritt für Schritt ging es also Berg auf. Wenigstens war es angenehm kühl, denn der Weg führte durch einen wunderschönen Wald, der die tropische Hitze etwas zu mildern im Stande war.
Nach einer Weile kamen wir dann an dem Museumsgelände an. Wir meldeten uns sofort für eine "Führung" durch das Ninja-Haus an und bekamen sogar eine extra Vorstellung, für uns alleine. Die Japaner scheinen die Deutschen echt zu mögen ^^
Diese Führung wurde von einer jungen (und ziemlich hübschen) Frau, vermutlich so Anfang 20 durchgeführt. Doch so niedlich sie auch aussah, der Schein trügt. Das sagten mir vor allem 2 Dinge: Sie trug Ninja Kleidung und sie konnte Kampfsport. Ninjutsu, um genau zu sein. Des Weiteren musste sie auch ziemlich athletisch sein, denn auf unserer Führung zeigte sie uns allerlei Verstecke und Geheimgänge, verborgene Türen, Treppen in Wänden, etc. Und mir nichts, dir nichts, war sie verschwunden. Nur um wenige Sekunden plötzlich hinter uns aus dem Nichts aufzutauchen. Wir waren begeistert! Als sie uns dann zeigte, wie sie das gemacht hatte, staunten wir nicht schlecht. In einer Wand war eine -mit bloßem Auge wirklich nicht zu erkennende- Drehtür. Dahinter: augenscheinlich nichts, außer einer kleinen Fläche von vielleicht 1 mal 2 Metern. Gerade genug um darin zu stehen. Verblüffender weise konnte man von innen perfekt nach außen schauen, von außen aber nicht nach innen. Noch erstaunter waren wir, als sie uns dann zeigte, wie man von diesem kleinen Raum weg kommt, ohne die Drehtür zu benutzen: durch eine kleine Leiter nach oben. Anmerkung: Der Begriff Leiter wird an dieser Stelle nur verwendet, weil es noch keinen passenden Begriff für das gibt, was da zu sehen war. "Leiter" ist da wohl etwas übertrieben. Das waren nicht mehr als kleine Holzstückchen an der Wand befestigt. Vielleicht einen halben Zentimeter breit. Maximal einen. Das erforderte wirklich einiges an Griffkraft und Geschicklichkeit da hoch zu kommen. Ich konnte es nicht (und so unsportlich bin ich nun echt nicht!)
Nun denn. Nach der Führung verabschiedeten wir uns überaus höflich (man kann ja nie wissen xD) und gingen in den unteren Teil des Hauses. Das war mehr ein Keller, oder so etwas ähnliches. Gespickt mit Waffen, Rüstungen und allerlei Infos rund um die Ninja. Eine Dokumentation ist nichts dagegen. Am Ende des Kellers, oder Tunnels (wie auch immer man das nennen mag) kamen wir dann durch eine Tür nach außen. Und Überraschung: Von außen war die Tür kaum zu erkennen...
In einem benachbarten Haus wurde das Museum dann fortgesetzt. Dieses Mal allerdings wurde der Fokus mehr auf die Ninjas speziell aus Iga gelenkt. (Ninjas waren in vielen Teilen Japans verbreitet. Iga galt und gilt aber damals wie heute als die Hochburg und Sitz der besten Ninjas überhaupt)
Ich glaube, es ist überflüssig zu erwähnen, dass Fotos nicht gestattet waren. Weder bei der Führung, noch im Museum...
Nicht so aber an der Burg, die unser nächstes Ziel sein sollte:

Nach einen kurzen Moment der Überlegung, entschieden wir uns aber dafür, nicht hinein zu gehen. Wir hatten in den letzten Tagen so viele Burgen und Schlösser gesehen, so viel anders konnte diese nun auch nicht sein. Zumal sie nicht einmal mehr im Originalzustand erhalten war. Weder von außen, noch von innen. Also machten wir einige Fotos von Burg und Umgebung und gingen weiter.







Nach dem Fotoshooting ging es dann zum ersten Mal an diesem Tag Berg ab. Hach, war das ein tolles Gefühl. Auf halber Strecke kam uns eine Gruppe von Läufern entgegen. Marathon. Berg auf. Bei diesen Temperaturen...Die Japaner haben manchmal doch einen an der Klatsche Surprised
Wir hingegen gingen schön gemütlich weiter und kamen nach einiger Zeit an der nächsten kleinen Tempelanlage vorbei. Übrigens, hier gab es auch freilaufende Hirsche. Oder Rehe. Da waren wir zwei uns nicht so ganz einig. Mensch, die waren vielleicht knuffig. Und genau so zutraulich wie ihre Artgenossen aus Nara. Drei Mal dürft ihr übrigens raten, wer vor lauter Streicheln und Füttern der Hihe (Neologismus. Da wir uns nicht einigen konnten, ob es nun Rehe oder Hirsche waren, entschieden wir uns kurzerhand, dass es sich um eine neue, von uns entdeckte Art handelt. Diese tauften wir Hihe Very Happy ) vergessen hat, Fotos dieser seltenen Spezies zu machen...
...wovon ich aber Fotos gemacht habe, ist die Tempelanlage. Aber auch nur 2. Irgendwie ist es ja doch immer das Selbe Wink





Nachdem wir auch diese Tempelanlage besichtigt hatten, ging es zurück in die Stadt. Und auch hier war kaum zu übersehen, dass diese Stadt etwas mit Ninjas zu tun hat. Waren doch selbst die Gullideckel als solche getarnt :0




Back in the town (es ist spät Nachts, mir gehen langsam die Wörter/Redewendungen/Verknüpfer aus. Ich muss auf Englisch zurück greifen Very Happy )
entdeckten wir beim Besichtigen einiger Seitenstraßen noch ein kleines aber feines Häuschen. Das pack ich jetzt auch einfach noch hier rein. Aaaaachtung, hier kommt es:

So. Hübsch, nicht wahr? Nun gut. Da es bereits später Nachmittag war, entschlossen wir uns, den nächsten Zug zurück nach Osaka zu nehmen. Beziehungsweise den nächsten Bus zum Bahnhof. Dann aber den Zug. Glücklicherweise verlief dieses Mal alles reibungslos und so kamen wir Abends in Osaka an. Anders als sonst, drehten wir dieses Mal keine Runde durch Osaka. Denn heute waren wir genug gelaufen und schließlich war am darauffolgenden Tag ein ganz besonderer für mich. Da wollte ich natürlich vollkommen ausgeruht und ausgeschlafen sein!
Mit diesen Worten verabschiede ich mich für heute und bedanke mich für die Geduld. Ich verspreche, der nächste Teil wird nicht so lange auf sich warten lassen wie dieser!

Also, in diesem Sinne:
To be continued...! Wink

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BeitragThema: Re: Japan 2018 -wenn einer eine Reise tut...   Di 25 Sep - 12:07

   
Tag 10 -Schloss, Feuerwerk, Festival. Ein Tag mit Hio

Endlich war es soweit. Gut gelaunt stieg ich aus meinem Bett, hörte beim Duschen Musik und packte gemütlich einige Sachen zusammen. So stelle ich mir den Beginn eines perfekten Tages vor. Mit meinem Kumpel besprach ich dann am Frühstückstisch den Plan für den heutigen Tag. Dieser war in 2 Teile geteilt (also der Plan für den heutigen Tag. Nicht mein Kumpel. Arbeitet bitte konzentriert mit!). Am Morgen wollten wir uns das Osaka- Castle ansehen. Ein Schloss welches auf keiner Reise in Japan fehlen sollte. Später, am Nachmittag wollten wir dann dem alljährlich stattfindenden TENJIN MATSURI, einem Sommerfestival, beiwohnen. Gesagt, getan. Nach dem ausgewogenem Frühstück ging es dann auch schon los Richtung Schlossanlage. Auf dem Weg dorthin machten wir noch in einigen Souvenirläden halt. Bereits von weitem konnte man die Sagenumwobene Festung erblicken:



Das war natürlich ein imposanter Eindruck. Im Schlosspark angekommen, fanden wir zunächst neben einigen Touris viele Souvenirläden. Diese boten Presente, Essen und Trinken zu unverschämten Preisen an. Deswegen kauften wir uns einfach mal nichts. Naja, fast nichts. Ein Eis...
Dann ging es auch schon weiter. Auch hier gab es eine kleine Tempelanlage, die wir besichtigten. Als auch das abgeschlossen war, kam dann endlich das Schloss dran. Was die Inneneinrichtung anging, war ich ein klein wenig enttäuscht. Irgendwie hatte ich da mehr erwartet als weitere Souvenirstände und hin und wieder mal ein paar Hinweisschilder und Infotafeln.
Zumindest in der zweiten Etage gab es dann etwas mehr zu sehen.



Ich war schon kurz davor, das Castle als Enttäuschung abzustempeln, als ich mit dem Betreten des Oberen Stockwerkes und der Aussichtsplattform den wahren Grund für die Beliebtheit des Schlosses herausfand: Ein überwältigender Blick über Osaka!









Wir verbrachten einige Zeit da oben, weil der Ausblick wirklich wunderschön war. Und kein Foto dieser Welt vermag es, den Gesamteindruck und die vorherrschende Atmosphäre wiederzugeben. Nach einigen Minuten des Verweilens verließen wir Schloss und Anlage, denn es war bereits Mittagszeit und allmählich näherte sich der Zeitpunkt des Startes des Festivals. Dieser Startpunkt war am Tenjin-Schrein. Dort wurde das Festival mit einer großen Zeremonie eröffnet. Als Drachen verkleidete Menschen, Mönche, Trommler, Flötenspieler, Tänzer. Eine schier endlose Parade ging die Straße entlang, auf den Weg Richtung Yodo-Fluss.


da waren die Straßen noch leer...





Leider konnte ich aufgrund der großen Menschenmasse kaum vernünftige Fotos schießen, aber wen es interessiert, kann ja einfach mal bei YouTube vorbei schauen.
Folgendes Video wurde direkt neben mir aufgenommen und bringt ganz gut rüber, was da so los war. Wink
https://www.youtube.com/watch?v=llLSqo7Ul8o

Wir folgten dem Treiben eine gute Stunde lang und machten uns danach auf den Weg zur U-Bahn Station. Nein, wir wollten natürlich nicht schon gehen, hatte das Festival ja noch nicht einmal seinen Höhepunkt erreicht. Allerdings näherte sich der Zeiger des Stundenglases bereits der 5. Stunde des Nachmittages. (Also 17:00 Uhr) Und somit auch der Moment, auf den ich mich bereits die gesamte Reise freute: Das Treffen mit meiner langjährigen, guten Freundin Hio. Wir kannten uns bislang zwar nur vom Schreiben und gemeinsam Japanisch/Deutsch Lernen, wohlgleich sind wir aber in der Zeit gute Freunde geworden. Und heute war der Tag, an dem wir uns treffen wollten. Mit der Metro ging es also zur Bahnstation, wo der Zug aus Kyoto jeden Augenblick ankommen sollte. Aufgrund der riesigen Menschenmassen wurden wir allerdings von Sicherheitskräften hinaus gebeten. Also suchten wir uns draußen irgendwo auf der anderen Straßenseite ein Platz und hielten Ausschau. Und dann endlich war es soweit. Hio trat aus dem Bahnhofsgelände hervor. "Wow, that´s crowded!", sagte sie. Glücklicherweise konnte sie sehr gut Englisch sprechen. Denn obwohl mein Japanisch nicht so schlecht ist, war ein komplettes Gespräch in ihrer Muttersprache noch nicht möglich. Selbiges traf auch auf ihr Deutsch zu. Aber das war ja kein Problem. Denn Englisch beherrschten wir beide (bzw. wir drei, mein Kumpel war ja auch noch dabei), sehr gut. Langsam gingen wir die Straßen hinab und schlenderten die Flusspromenade entlang. Genau wie gefühlt 30000000000 andere Menschen. Wir verbrachten den Nachmittag damit, einfach nur zu reden und einen Platz am Fluss zu finden, an dem wir uns mal hinsetzen können. Das war nämlich gar nicht so leicht, war doch alles überfüllt. Am frühen Abend wurden wir dann endlich fündig. Gerade rechtzeitig, denn schon kam die Parade, welche mittlerweile per Boot unterwegs war, am Fluss entlang. Als diese unseren Platz passiert hatte, begann das spektakulärste was ein Japanisches Festival zu bieten hat: Das Feuerwerk.
Und glaubt mir, kein Feuerwerk in Deutschland, nicht einmal die in Berlin oder Hamburg oder München, etc. können es mit einem Feuerwerk in Japan aufnehmen. Gesichter, Smileys, Blumen, Schriftzüge wurden in den Himmel geschossen und erhellten selbigen wie es sonst nur die Sonne am Tag vermag. Farbenfroh leuchtete der Himmel, teils im Abendrot, teils durch das Feuerwerk und läutete somit das Ende eines spektakulären Festivals ein.











Auch hier verlinke ich euch noch ein YouTube Video, muss aber im gleichen Atemzug erwähnen, dass das leider nur den Anfang des Feuerwerkes zeigt. Die Blumen und Schriftzüge, etc. kamen erst später...
...ein Blick hinein lohnt sich dennoch:
https://www.youtube.com/watch?v=X-VFdvRGJ8A

Nachdem wir das Feuerwerk bis zum Ende verfolgt hatten (knapp 3 Stunden) war es für Hio dann Zeit zu gehen. Schließlich musste sie noch zurück nach Kyoto. Also brachten wir sie -ganz Gentleman- noch zurück zum Bahnhof und verabschiedeten uns, nicht ohne das Versprechen uns wieder zu sehen. So ging der bislang vielleicht schönste Tag der Reise zu Ende. Müde, aber glücklich machten auch wir uns auf den Weg zurück zum Hotel.

To be continued...

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BeitragThema: Re: Japan 2018 -wenn einer eine Reise tut...   Mi 26 Sep - 12:54

   

Tag 11 - Sentimentalität in Kyoto

Etwas behäbig kam ich an diesem Morgen aus dem Bett. Da waren wir nun also. Der vorletzte Tag in Japan. Bzw. eigentlich sogar schon der Letzte, denn morgen würde es ja nur zum Flughafen und dann nach Hause gehen. Was soll da schon großartig passieren?
Spoiler:
 
Heute, als letzten großen Ausflug, hatten wir uns nicht lumpen lassen und ein ganz besonderes Reiseziel ausgesucht: Kyoto.
Klar, auf keiner Japanreise darf Kyoto fehlen! Die von Osaka etwas nördlich gelegene Stadt, war lange Zeit die Hauptstadt des Landes der aufgehenden Sonne, bevor sie dann ihren Status an Edo, dem heutigen Tokyo, verlor. Sie besitzt auch heute noch ein historisches Viertel, Gion genannt und gilt als kulturelle Hochburg Japans. Noch heute kann man nicht nur traditionelle Gebäude bewundern, nein. Mit etwas Glück sieht man auch Geisha´s vorbei huschen. Jene geheimnisvollen Schönheiten, bekannt aus allerlei Filmen, Dokumentationen, Bildern, etc...
Aber damit nicht genug. Kyoto hat neben all dem auch noch eine sagenhaft schöne Natur zu bieten. Gerade in den Frühlings- und Herbstmonaten, wenn die Kirschblüten erblühen oder sich das Laub der vielen Wälder in Kyoto´s Umgebung bunt färbt, ist Kyoto der wohl schönste Platz auf Erden. Naja, zumindest in Japan Wink
Und dahin würden wir heute fahren. Die gerade einmal 2 stündige Fahrt mit dem Shinkansen verlief ohne Probleme. Diese sollten erst beim betreten der Metro kommen. Metroplan in Tokyo: Kein Problem. Metroplan in Osaka: Kein Problem. Metroplan in Kyoto: Verwirrung. Wir konnten nicht sagen, was anders war. Aber weder mein Freund noch ich waren in der Lage, uns zurecht zu finden. Zumindest nicht auf Anhieb. Doch dann geschah genau das, was man in jedem Reisebericht (und nun auch in meinem) über Japan lesen kann und wird: Hilfsbereitschaft. Orientierungsprobleme in Japan? Kein Problem! Ihnen kann geholfen werden!
Was zu tun ist:
Schritt 1: Haben Sie ein Problem.
Schritt 2: Schauen Sie möglichst verwirrt durch die Gegend. Zeigen Sie, dass Sie Ausländer sind.
Schritt 3: Warten Sie. Es wird keine Minute dauern, bis entweder ein Bediensteter oder Passanten auf Sie aufmerksam werden und versuchen Ihnen zu helfen. Zur Not auch in Zeichensprache.

Spaß bei Seite, es ist echt erstaunlich wie hilfsbereit die Japaner sind. Egal wo wir auf unserer Reise entlang kamen, uns wurde immer geholfen. So höflich wie irgend möglich. Also ließen wir uns von einer herbeieilenden Frau, die dem Englischen sogar mächtig war, den Weg zu unserem ersten Ziel hier in Kyoto beschreiben: Kyomizudera (sagt das 3 mal schnell hintereinander xD). Da es sich hierbei um einen Eigennamen handelt, gibt es keine wirkliche Übersetzung.
Jedenfalls erfuhren wir, dass wir gar nicht auf die Metro angewiesen waren. Nein, wir konnten einfach den nächsten Bus nehmen. Da waren wir aber froh! Schnell verließen wir dieses Labyrinth und gingen, gemäß den Anweisungen der jungen Frau, zur nächsten Bushaltestelle. Keine 5 Minuten später kam er dann auch schon. Das Prinzip wie Linienbusse in Japan funktionieren habe ich ja bereits in einem anderen Teil beschrieben. Die Fahrt dauerte ca. 10 Minuten als wir ankamen. Aber -ihr ahnt es sicher schon-, keine Sehenswürdigkeit in Japan bei der man nicht vorher einen Berg hochlatschen muss. Coooooool! Da auch heute die Temperaturen bei 43 Grad lagen, ließen wir uns damit viel Zeit. Und wo genau wir hinlaufen mussten, wussten wir auch nicht so genau. Wir beschlossen einfach, der großen Reisegruppe aus Singapur hinterher zu laufen. Woher die kamen wussten wir deshalb, weil sich ein älterer Herr aus besagter Gruppe entschloss, mit uns Kontakt aufzunehmen. Einfach so. Nur zum unterhalten. Ich habe zwar vergessen, worüber wir geredet haben, aber er war nett. Entlang dem Weg, den Berg hinauf kamen wir durch ein ruhiges Viertel Kyoto´s. Eher kleine Häuser, viel Natur und ein riesiger Friedhof. Und wenn ich riesig sage schreibe, dann meine ich riesig. Dieser Friedhof lag in einer Art Tal, so dass wir einen guten Blick auf das Gelände hatten. Irgendetwas in mir sträubte sich dagegen, davon ein Foto zu machen, weshalb ich davon absah. Aber beeindruckend war es allemal. Wir setzten unseren Fußmarsch fort und kamen kurze Zeit später endlich an.


Der Eingang zum großen Tempelgelände...

Nach einer kurzen Verschnaufpause betraten wir die Tempelanlage und genossen den Ausblick über Kyoto und den unteren Teil der Tempelanlage von Kyomizudera:







Das war schon echt cool. Nach einigen Fotos und einen Moment der inneren Zufriedenheit entschlossen wir uns den zweiten Teil des Geländes anzusehen. Über eine große Treppe gelangten wir von der Aussichtsplattform nach unten, zu dem traditionellen japanischen Garten. Auch hier machte sich ein Gefühl der inneren Zufriedenheit und des Friedens breit. Eine unglaubliche Atmosphäre lag in der Luft.









Als wir nach einiger Zeit dann das Gelände wieder verließen, lag die Temperatur immer noch bei über 40 Grad. Glücklicherweise ging es nun aber Berg ab. Nun kamen wir an einer Einkaufsstraße vorbei, wo wir uns erst mal einen kühlen Milchshake gönnten. Zurück in der Innenstadt überlegten wir, was wir nun anschauen wollten. Hio, die ja auch aus Kyoto kommt, war an diesem Tag leider verhindert, weswegen wir sie nicht treffen konnten. Leider. Also gingen wir weiter, bis unsere Augen ein Schild entdeckten. Samurai-/Ninja Kurs. Na, wenn das mal nicht genau was für uns war. Wir bezahlten also brav den Eintritt und ließen uns etwas über die japanische Geschichte erklären. Anschließend durften wir einige Waffen der Krieger aus einer längst vergangenen Zeit selbst ausprobieren. Wurfsterne werfen, mit Schwertern kämpfen und noch so einiges anderes. Natürlich waren die ganzen Waffen nicht echt bzw. nicht geschärft, der Spaß blieb deswegen aber nicht auf der Strecke Very Happy
Als auch das vorbei war, besuchten wir noch das Samurai Museum. Das war ebenfalls ganz interessant. Es beinhaltete einige Infos über die Ausstellungsstücke, darunter historische Schwerter, Rüstungen und Schriftrollen. Diese ganzen Infos erspare ich euch jetzt aber einfach mal Wink
Da es nun bereits später Nachmittag war, entschieden wir uns, nur noch etwas durch Kyoto zu schlendern und uns danach auf den Rückweg zu machen. Schließlich mussten wir noch Koffer packen. Auf den Weg durch die kleinen Gassen des traditionellen Stadtteiles Gion, entdeckte ich noch etwas lustiges. Aber seht selbst: (findet den Fehler)


Gegen 18:00 Ortszeit, erreichten wir Osaka. Genau die richtige Zeit für ein Abendessen. Und für den letzten Tag hatten wir uns etwas ganz besonderes vorgenommen. Teuer, nicht komplett ohne Risiko, doch -so heißt es- eine absolute Delikatesse Japans. Die Rede ist natürlich von Fugu, Kugelfisch. Zugegeben, ein wirkliches Risiko wie alle denken, ist es gar nicht. Gibt es Kugelfisch doch nur noch in gehobenen Restaurants, zubereitet von Köchen welche eine mehr als strenge Ausbildung und Prüfung über sich ergehen lassen müssen, bevor sie einen Kugelfisch zubereiten dürfen. Und all diese Geschichten, dass da früher so viele Leute dran gestorben sein sollen, sind zwar teilweise war, jedoch fehlt da ein kleiner Teil. Denn: Auch früher wurde Fugu sehr sorgfältig zubereitet. Die Todesfälle kamen zustande, weil Obdachlose und Bettler auf der Suche nach etwas Essbaren die Müllkübel entleerten und aßen, was halbwegs essbar aussah. Darunter natürlich auch die giftigen, entsorgten Teile des Kugelfisches. Heute jedoch, werden diese Teile nicht einfach in den Müll geworfen, sondern in extra dafür vorgesehene Behälter entsorgt. Und da ihr gerade diese Zeilen hier lest, könnt ihr auch sicher sein, dass es mir gut geht. Ebenso wie meinem Freund! Wink
Also entschieden wir uns für eines der unzähligen Restaurants, die Kugelfisch in allen erdenklichen Varianten anboten und machten es uns gemütlich. Das mehrgängige Gericht bestand komplett aus diesem Fisch. Saschimi, eine kleine Suppe, feinstes Filet wurde zusammen mit einer speziellen Soße gereicht. Und es war unglaublich. Jedem, der einmal in Japan ist, kann ich Kugelfisch nur wärmstens ans Herz legen. Es schmeckt wirklich so gut wie alle sagen. Teilweise zwar etwas schwer zu essen, aber mit etwas Übung gewöhnt man sich dran ^^




Der leicht säuerlicher Geschmack, von der Soße ausgehend, gab den eher süßlich schmeckenden Fisch noch das gewisse Etwas.
Doch, wie das Leben des Fisches welchen wir gerade verspeisten, so hatte auch diese Mahlzeit irgendwann ein Ende (Daumen hoch für diese Überleitung!)
Und so machten wir uns auf, zu der letzten Abendlichen Runde durch Osaka. Jene Stadt welche mir binnen kürzester Zeit ans Herz gewachsen war und welche ich wild entschlossen war, wieder zu besuchen. Als wüsste der Himmel über meine Gefühle bescheid, fing es leicht an zu Regnen. Wobei das allerdings wohl eher an dem bevorstehenden Orkan lag, welcher für den morgigen Tag in Osaka/Kyoto/Tokyo gemeldet war. Und wie zum Abschied, färbte sich der Himmel in ein wunderschönes Violett.







Da sich -so glaube ich- niemand dafür interessiert, wie ich Koffer packe, lasse ich den Teil einfach mal weg und verabschiede mich für heute. Der letzte Teil, sowie eine Zusammenfassung kommt, sofern ich es schaffe, morgen. Bis dahin noch einen schönen Tag!

To be continued...

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BeitragThema: Re: Japan 2018 -wenn einer eine Reise tut...   Do 27 Sep - 12:01

   

Tag 12 -Verliebt in Japan, Osaka und ein Mädchen aus Tokyo (oder: Jeder Abschied ist auch ein Neubeginn)*

*Anmerkungen des Autors:
#1: Achtung, dieser letzte Teil des Reiseberichts wird kitschig und klischeehaft. Dennoch schwöre ich, dass alles genau so passiert ist.
#2: Der Titel für diesen letzten Teil entstand bereits während der Heimreise. Auch, wenn sich nun wieder einiges geändert hat (dazu aber am Ende des Berichtes mehr), passt er dennoch perfekt, weshalb ich ihn nicht ändern wollte. Und nun viel Spaß beim Lesen Wink

So, da war er nun. 11 Tage habe ich es erfolgreich verdrängt, wenngleich mir irgendwie immer klar war, dass er früher oder später kommen würde: mein (vorerst) letzter Tag in Japan.
Die Koffer waren bereits gepackt und so beschloss ich, die verbleibenden 10 Minuten in meinem Hotelzimmer noch für einen kleinen "Dankeschön-Zettel" zu nutzen. Das Personal hier war so freundlich und das gesamte Hotel in einem mehr als gutem Zustand, da wollte ich den stets hart arbeitenden Hotelangestellten wenigstens mal ein Lächeln auf die Lippen zaubern. Auch, wenn es nur ein kleines sein sollte. Also schrieb ich kurzerhand ein paar Worte zum Dank auf einen kleinen Zettel und malte noch einen kleinen Chopper daneben. (An alle Leser, die nicht aus diesem Forum sind: Chopper ist eine Figur aus One Piece). Wenn man da nicht schmunzeln muss, weis ich aber auch nicht Wink


Danach gingen wir ein letztes Mal frühstücken bevor wir dann auch aus checkten. Nicht ohne eine kleine Träne zu verdrücken, ging es Richtung Bahnhof. Dort stiegen wir in den (richtigen) Shinkansen, der uns binnen 3 1/2 Stunden zurück nach Tokyo brachte.

die letzten Sekunden in Osaka. Der Taifun rückt näher...

Wer genau hinschaut, kann im Hintergrund die Silhouette vom Fuji sehen.

Wehmütig, ziemlich niedergeschlagen, aber auch irgendwie froh, diese Zeit hier in Osaka/Japan gehabt zu haben schauten wir beide aus dem Fenster. Langsam verließen wir meine geliebte Stadt, fuhren durch die ländliche Gegend, passierten Kyoto, Kobe und noch einige andere Städte, bevor wir dann irgendwann schließlich Tokyo erreichten. Mittlerweile fand selbst ich mich auf dem Bahnhof zurecht und so war der Anschlusszug Richtung Flughafen Narita schnell gefunden. (Kleine Klugscheißer Info am Rande: Tokyo besitzt 2 Flughäfen: Narita und Haneda. Während Narita hauptsächlich für internationale Flüge zuständig ist, gehen in Haneda eher Inlandsflüge von statten). 30 Minuten Fahrt blieben uns jetzt noch, bevor wir auch Tokyo wieder verlassen würden.
Am Flughafen angekommen hatten wir nun reichlich Zeit, da wir sehr früh losgefahren sind (man kann ja nie wissen). Also machten wir das Beste daraus und schauten uns etwas auf dem Flughafen um.


Keine Ahnung wer das ist, aber es war soooo knuffig! Very Happy

Ein bisschen durch die Shopping Mall und danach noch auf eine letzte Udon Suppe in ein Restaurant. Gemütlich aßen wir also Udon und schauten aus dem Fenster.





Der Himmel sah ziemlich düster aus, der Taifun war nun kurz vor Tokyo. Passend dazu kam auch die Durchsage, dass unser Flug um 30 Minuten vorverlegt wurde. Flüge nach Los Angeles wurden sogar komplett gestrichen. Das konnte uns aber alles mehr oder weniger egal sein, denn ob nun 30 Minuten früher oder später, wir hatten noch immer viel Zeit. (Um ehrlich zu sein, hoffte ich inständig, dass auch unser Flug gestrichen werden würde. Ich wollte wirklich noch nicht gehen! Sad )
Das wurde er aber natürlich nicht. Dass sich das als großes Glück herausstellen sollte, konnte ich zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht ahnen. Schließlich rückte der Abflug näher und wir machten uns auf den Weg in die Internationale Zone. Die ganzen Sicherheitskontrollen etc. lasse ich jetzt einfach mal aus, wie schon beim Hinflug. Noch einmal verging eine kurze Zeit des Wartens bevor wir dann an Bord der Etihad Airways Maschine stiegen. Wie schon beim Hinflug, flogen wir zuerst nach Abu Dhabi, stiegen dort noch einmal um, bevor es von dort aus dann endgültig zurück nach Deutschland gehen sollte.
Schließlich saßen wir beide auf unseren Plätzen. Mein Kumpel am Fenster, ich in der Mitte und neben mir? Noch niemand. Wir machten uns einen kleinen Spaß daraus und wetteten, wer denn neben mir Platz nehmen würde. Während mein Freund auf einen alten, fetten und schwitzenden Chinesen setzte, wettete ich auf eine junge, hübsche Japanerin. Bereits am Titel dieser Geschichte wisst ihr vermutlich, wer die Wette gewonnen hat. Ich. (Pech gehabt, bro Wink Very Happy Very Happy )
Es dauerte auch nicht lange, bis dann tatsächlich eine junge, hübsche Japanerin neben mir Platz nahm. Dem schüchternen Nicken ihrerseits, folgte ein süßes Lächeln. Obwohl unser Flug 30 Minuten früher losgehen sollte, starteten wir ca. 45 Minuten später als der ursprüngliche Start angesetzt war. Doch schließlich war es dann soweit und wir hoben ab. Über den Wolken fand gerade der Sonnenaufgang statt, ein wunderschönes Naturschauspiel, welches mich unwillkürlich an den Fuji denken ließ. Kein Wunder, war er doch im Hintergrund gut zu sehen. Ein wahrhaft schönes Bild zum Abschied!









Mit diesen schönen Bildern verließen wir also Japan. Glücklich über die Zeit die wir hatten, steckte ich meine Kopfhörer ins Ohr und begann Musik zu hören. Irgendwann später, versuchte das Mädchen etwas aus ihrem Rucksack herauszuholen. Der Tatsache geschuldet, dass sie mit einer Hand versuchte, ihren Getränkebecher festzuhalten und den Tisch hochzuklappen, hatte sie dabei einige Schwierigkeiten. Ich -ganz Gentleman- bot ihr natürlich meine Hilfe an, welche sie auch dankend annahm. Soweit so gut, Sache abgehakt, kein Ding. Für mich war die Sache damit erledigt, für sie scheinbar nicht. Sie holte ein paar kleine Papierblätter aus ihrem Rucksack und begann, Origamis zu falten. Ich sah ihr eine Weile zu und war erstaunt, wie gut sie das konnte. Irgendwann wendete ich mich wieder ab um noch ein Weilchen aus dem Fenster zu sehen. Plötzlich stupste sie mich an und überreichte mir mit einem breitem Lächeln die beiden Figuren die sie soeben gebastelt hatte -einen Reiher und einen Wurfstern- als Dankeschön für meine Hilfe.

das sind die beiden Figuren ^^

Ich freute mich sehr über das kleine Geschenk und bedankte mich ganz herzlich. "Ein nettes Mädchen", dachte ich so bei mir und nahm mir vor, mich später bei Gelegenheit noch mal mit ihr zu unterhalten. Der Flug war ja lang genug... Nun wollte ich aber noch etwas die Aussicht genießen. Wir waren vielleicht eine Stunde in der Luft als sie begann, müde zu werden und einzuschlafen. Das merkte ich vor allem daran, dass ihr Kopf immer mehr Richtung meiner Schulter abdriftete, nur um kurze Zeit später darauf zu landen. "Wie süß", dachte ich noch und versuchte, mich so wenig wie möglich zu bewegen um sie nicht aufzuwecken. Das übernahm ca. 30 Minuten später eine Windböe. Sichtlich verwirrt und auch etwas peinlich berührt entschuldigte sie sich sofort bei mir, als ihr klar wurde, dass ihr Kopf irgendwo lag, wo er nicht liegen sollte. Ich versicherte ihr jedoch, dass ich keinerlei Problem damit hätte und alles gut sei. Kurz darauf schlief sie wieder ein. Ihr Kopf driftete wieder -na klar- Richtung schräg rechts, geradewegs auf meine Schulter hin. Anfangs merkte sie es noch und schreckte im Halbschlaf wieder hoch um ihre Position zu korrigieren. Irgendwann übermannte sie jedoch der Schlaf und ihr Kopf landete auf meiner linken Schulter. Was sich bis hierhin bereits sehr kitschig andeutet, wurde immer schräger. Genau wie sie. Mit zunehmender Tiefschlafphase kippte nun nicht nur ihr Kopf, sondern ihr gesamter Körper immer weiter ab, bis sie irgendwann auf meinem Oberkörper/Schoß lag. "Ach gottchen", ließ mein Freund verlauten, der dem ganzen ziemlich belustigt zuschaute. Ich signalisierte ihm, das ich nicht nur die Wette, sondern scheinbar auch noch den besten Sitzplatz überhaupt gewonnen hatte. Da konnte er nicht viel dagegen sagen...
Irgendwann beschlich mich allerdings das Gefühl, dass meine neue Freundin nicht ständig schlief. Um das auszutesten, machte ich ein kleines Experiment. Ich tat so, als ob ich schlafen würde und legte "ganz aus Versehen" meinen Arm um sie. Als hätte ich es geahnt, tat sie sofort das Selbe und kuschelte sich richtig an mich. Mit einem triumphalen Grinsen im Gesicht schaute ich meinen Kumpel an. Der nickte nur anerkennend. Noch einmal ein bisschen später, konnte ich dann erkennen, wie ihre Hand langsam aber sicher ihre Position änderte. Langsam, Stück für Stück, Zentimeter um Zentimeter, wanderte sie auf die meine hinzu. Und zack -mir nichts dir nichts hielt sie meine Hand.
Da es ein langer Tag war und wir früh aufgestanden sind, fiel auch ich irgendwann der Müdigkeit zum Opfer und schlief ein. Im Halbschlaf ihre Hand haltend, merkte ich, wie sie ihre Hand unter der meinigen hervorzog. "Gut", dachte ich. "Vielleicht hab ich mich doch geirrt und sie hat wirklich nur geschlafen und das alles war doch nur ein Versehen. Jetzt, muss sie aufgewacht sein und versucht sich nun schnell wieder in ihre ursprüngliche Position zu bringen." So dachte ich. Ich sollte jedoch eines besseren belehrt werden. Denn anstatt so zu tun, wie ich es dachte, zog sie also ihre Hand unter meiner hervor, nur um sie dann auf die meine zu legen und zu streicheln. Jetzt musste ich doch mal die Augen auf machen, um sicher zu gehen, dass mir nicht mein Kumpel einen Streich spielte. Dem war aber ganz und gar nicht so. Stattdessen sah ich direkt in ihre Augen...
...ohne großartig was zu sagen, wussten wir beide, dass der jeweils andere nicht gerade unglücklich über seinen jeweiligen Sitznachbar war, um es mal so auszudrücken.
Den Rest des Fluges verbrachten wir kuschelnd Arm in Arm. Wir unterhielten uns über dies und das, meistens auf japanisch, denn ihr Englisch war noch nicht so gut. (Und jetzt war ich sehr froh darüber, japanisch gelernt zu haben/bzw. noch zu lernen). Und ich glaube, ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass das der schönste Flug meines Lebens war. Spätestens jetzt war ich doch froh darüber, dass unser Flug nicht gecancelt wurde...
In Abu Dhabi angekommen, mussten sich unsere Wege leider trennen, flogen wir doch nach Deutschland und sie nach Dublin, für einen kurzen Sprachkenntnisvertiefungsaufenthalt oder so etwas ähnliches. Ich gab Shiori (so hieß sie nämlich) meine Nummer und sie versprach mir, sich zu melden. Wir brachten sie noch bis zum Gate 3, von wo aus der Flug nach Dublin gehen sollte. Zum Abschied umarmten wir uns lange und sie gab mir einen kleinen Kuss auf die Wange. Ich tat das Selbe, lächelte kurz und ging dann mit meinem Kumpel meiner Wege. Nicht ohne mich noch einmal umzusehen und zu winken.
Auch während dem zweiten Teil des Fluges, von Abu Dhabi nach Frankfurt -welcher nicht annähernd so schön war wie der vorherige- konnte ich an nicht viel anderes denken. Ironischerweise -und das ist jetzt kein Scherz- nahm bei diesem Flug ein etwas dicklicher Chinese neben mir Platz. Diesmal war es mein Kumpel, der mich triumphierend ansah...
War mir aber alles egal. Ich war glücklich. Viele Stunden später erreichten wir schließlich Frankfurt, gegen 9:00 Ortszeit. Und hier trennten sich dann auch die Wege von meinem Kumpel und mir. Er flog zusammen mit seiner Freundin nach London auf die Comic Con, und ich, da ich am Montag wieder arbeiten musste (Ferienjob und so...) suchte mein Auto auf. Trotz einer E-Mail des Flughafens, wo ich mein Auto geparkt hatte, dauerte es eine ganze Weile ehe ich es gefunden hatte. Mein Gott, ist der Flughafen groß...
...aber mal ehrlich, wer sich im Bahnhof in Tokyo zurecht findet, der schafft das ja wohl auch in Frankfurt auf dem Flughafen, oder? Wink

So endete also unsere gemeinsame Reise in das fernöstliche Land meiner Träume. Am Ende dieser Reise kann ich -und auch mein Freund, für den es sogar schon der zweite Aufenthalt dort war- auf eine ganze Menge an neuer Erfahrungen zurück blicken. Wir lernten Menschen kennen, die viel zu berichten hatten. Sahen Plätze und Dinge, die auf dieser Welt einmalig sind. Wir lernten Dinge fürs Leben, die wir wohl nie vergessen würden. Und -soviel ist sicher- wir hatten eine großartige Zeit. Oder, um die ohnehin schon kitschige Geschichte noch abzurunden: Wir kamen als Freunde und gingen als Brüder. (So, jetzt aber genug mit dem Kitsch! *kotz* Wink Very Happy )

Was nehme ich also alles mit von der Reise? Welche Dinge waren positiv, welche negativ:
positiv:
-die Freundlichkeit der Menschen, sowie die Hilfsbereitschaft
-gutes Essen
-unglaublich schöne Natur, Städte, Sehenswürdigkeiten
-eine einmalige Atmosphäre, vor allem auf dem Fuji
-Ausschilderung meistens auch auf Englisch
-Leute sprechen besseres Englisch als viele Europäer annehmen
-Züge und Busse überaus pünktlich
-allgemein gut ausgebautes Verkehrsnetz
-überall Getränkeautomaten mit meistens ziemlich vernünftigen Preisen
-keine/kaum Kriminalität
-(vor allem für mich gut) Kaum Raucher (zumindest nicht in der Öffentlichkeit)
-kein Gedrängel und Schupsen oder Anrempeln

negativ:
-gerade für Erstbesucher kann es manchmal etwas überfordernd sein, auf Bahnhöfen oder dem Flughafen sich zurecht zu finden
-Missverständnisse aufgrund anderer Kultur (also vor einer Japanreise gut informieren was geht und was no goes sind, wie beispielsweise Trinkgeld geben)
-einige Sachen (Ausnahme: Getränkeautomaten) öfters etwas hochpreisig (dennoch billiger als so manche Reise in ein europäisches Land)
-die hohen Temperaturen (also vielleicht nicht unbedingt im Sommer nach Japan reisen)
-Naturkatastrophen im Bereich des Möglichen (auch, wenn wir keine miterlebt haben. Zum Glück)


Und damit endet dann endgültig der Reisebericht unserer Japanreise. Ich bedanke mich für das doch ziemlich große Interesse und hoffe, das euch meine Geschichten gut unterhalten haben. Wer möchte, kann nun auch in diesem Thread seine Meinung, Kritik, Feedback oder Fragen äußern. Oder auch einfach per PN Wink
Also denn. Sayonara!
Und um das Lied ganz am Anfang meines Berichtes noch einmal aufzugreifen:

"[...]Doch für mich do weht et Zick
Ich pack in un jon zoröck![...]"


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Edit: Für alle die es interessiert, was aus Shiori und mir geworden ist:
Tatsächlich meldete sie sich einige Tage später. Wir schrieben uns eine ganze Weile beschlossen aber, vorerst keine Beziehung einzugehen. Erstens, weil sie ohnehin sehr weit weg war und zweitens, weil sie einige wichtige Prüfungen in der Schule zu bestehen hatte, am Ende diesen Jahres. Dennoch schrieben wir uns eine Zeit lang, bis sie eines Tages nicht mehr antwortete. Mittlerweile sind knapp 1 1/2 Monate vergangen, doch gemeldet hat sie sich nicht mehr (wenngleich sie auch online war und meine Nachrichten gelesen hat). Aber was solls, es war schön, solang es gedauert hat. Und wer weis, vielleicht meldet sie sich ja doch wieder. Wink

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BeitragThema: Re: Japan 2018 -wenn einer eine Reise tut...   Do 27 Sep - 19:10

   
Pünktliche Züge davon sollte sich die Deutsche Bahn eine Scheibe abschneiden Very Happy
Kaum Kriminalität das ist sehr schön, Island hat auch kaum sowas, ich war mal in Island auch echt dort *_*
Ja Naturkatastrophen Japan ist ein Erdbebengebiet
Meine Schwester war 2-mal in Japan, ich würde auch gerne mal nach Japan fliegen, aber dieser laaaaaange Flug dahin, für mich sind schon 3-4Stunden zuviel, von daher wird das nix werden, freut mich aber das es dir im großen und ganzen gefallen hat ^_^

Tuwz
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BeitragThema: Re: Japan 2018 -wenn einer eine Reise tut...   Fr 28 Sep - 18:31

   
Nochmal Danke für deinen schönen Reisebericht Smile

Du hast ja wirklich einiges erlebt. Aber der Schluss ist ja so Klischee, dass ich es dir fast nicht glauben kann. Irgendwie bin ich schon neidisch... Wink

traffylaw
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BeitragThema: Re: Japan 2018 -wenn einer eine Reise tut...   Sa 29 Sep - 10:12

   
@Tuwz schrieb:
Nochmal Danke für deinen schönen Reisebericht Smile

Du hast ja wirklich einiges erlebt. Aber der Schluss ist ja so Klischee, dass ich es dir fast nicht glauben kann. Irgendwie bin ich schon neidisch... Wink

Ja, das habe ich öfters gehört. Es stimmt tatsächlich 1 zu 1. Aber ich denke manchmal selbst, dass ich das alles nur geträumt habe Very Happy Very Happy



 

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